Gnadenhof L(i)ebenswert

 

Spenden und Vermittlung:

 

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Wir sind ein kleiner Gnadenhof im schönen Odenwald mit derzeit rund 70 Kleintieren. Unsere Schützlinge sind Kaninchen, Meerschweinchen, Schweine, Schafe, Hühner, Hähne, Gänse, Enten, Hunde und eine Katze.
Wir sind eine Familie mit drei kleinen Kindern, die sich einen ehemaligen Bauernhof gekauft haben, um in Not geratenen Tieren ein Zuhause auf Lebenszeit bieten zu können. Unsere Tiere stammen aus den unterschiedlichsten Verhältnissen: Labortiere, Abgabetiere, befreite Tiere, Tiere vor Schlachtung bewahrt, aus schlechter Haltung, ausgesetzte Tiere, Straßenhund oder Fundtiere zum Aufpäppeln.

März 2016

Es fällt mit sehr schwer, den heutigen Schritt zu gehen und die Erkenntnis mit euch zu teilen, dass wir nicht mehr weitermachen können wie bisher.
Im monatelangen Prozess, Überlegungen und Versuchen in jede nur denkbare Richtung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir einen Teil unserer Tiere vermitteln müssen.

Die geschieht, so merkwürdig es vielleicht auch klingt, ausschließlich zu deren Wohlergehen. Bevor wir an dem Punkt angelangt sind, auf den wir gerade schleichend, aber in stetiger Geschwindigkeit zusteuern: dem finalen Zusammenbruch durch tiefgreifende Erschöpfung.
Da so ein krasser Schritt für Außenstehende in den meisten Fällen nur schwer nachvollziehbar ist, möchte ich euch unsere Entscheidung näher erläutern. In der Hoffnung, dass ihr versucht zu Verstehen, bevor ihr euch ein abschließendes Urteil bildet.

 

Wir haben uns als Familie für das Projekt „Gnadenhof“ aus wahrhaftiger Tierliebe, Empathie und dem Wunsch zu helfen und die Welt im Kleinen zu einem besseren und l(i)ebenswerterem Ort zu machen, entschieden.
Voller Zuversicht begannen wir vor 5 Jahren in kompletter Eigenregie den alten Hof dementsprechend zu entkernen und neu aufzubauen, dass nach und nach ansprechende, große und „artgerechte“ Gehege entstehen. Hierbei investierten wir unvorstellbar viele Arbeitsstunden, oft arbeiteten wir nachts mit Lampe weiter während die Kinder schliefen.

 

Ein Notfall nach dem anderen erreichte uns, eine Geschichte war herzzereißender als die nächste. So ging es ziemlich schnell, dass wir sehr viele Notfälle hier untergebracht haben, derer wir uns annahmen. Seit einiger Zeit sind wir auch an unserer festgesetzten Obergrenze angelangt und können keine weiteren Tiere mehr aufnehmen, ohne den Platz überzustrapazieren.
Obwohl wir eine Anfrage nach der nächsten ablehnen müssen, haben wir hier jedoch Arbeit die niemals endet. Auch, wenn wir ein vergleichsweise kleiner Hof sind. Tag und Nacht sind wir im Einsatz, unseren Arbeitszeiten enden niemals. Tiere werden krank, sie müssen intensiv gepflegt werden, mehrmalige Fahrten die Woche zum Tierarzt oder Tierklinik (vorzugsweise am WE) sind normal.

Neben der täglichen Arbeit, die auf einem Hof anfällt, kommen die Dauersorgen hinzu, die es mit sich bringt, wenn man die Verantwortung für so viele Leben trägt. Es ist nicht nur die Arbeit am und mit dem Tier, sondern auch das ganze Drumherum wie Bürokratie, die Beantwortung von zig mails täglich, die sich allabendlich in meinem Postfach häufen, die Instandhaltung von Zäunen, Reparaturen, Futterbeschaffung,Reinigung der Ställe, Instandhaltung des Hofes, Kooperation und Kommunikation mit Interessierten, Hofführungen, Beantwortung von Fragen, Beratungen, Medienpräsenz etc.

All diese Arbeit leisten wir „nebenbei“. Neben einem Vollzeitjob und drei Kindern. Oft werden wir gefragt, wie wir das alles schaffen. Wir machen es einfach. Weil wir es lieben, weil uns die Tiere wichtig sind und wir ihnen ein wunderschönes Leben in Würde ermöglichen wollen. Wir sind sehr darum bemüht, sie artgerecht zu ernähren, uns in spezifische Foren einzulesen, die Ställe sauber zu halten und tägliche Beobachtungszeiten einzuplanen, um den Gesundheitszustand zu überprüfen. Wir fahren lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als einmal zu wenig.

Wir haben unzählige Katastrophen und Schicksalsschläge erlebt,Tiere in den Tod begleitet und sie erlösen lassen, wenn alles andere versagte. Wir haben mehr Leid in den 5 Jahren mitbekommen, als in all unseren Lebensjahren davor. Immer wieder haben wir gekämpft und doch den Kampf verloren. Trotz aller Bemühungen und Hilfsmaßnahmen zu scheitern, zehrt unglaublich.
All das hat uns nicht nur finanziell extrem belastet, sondern auch körperlich und psychisch. Es ist kein einfacher Schritt, sich einzugestehen, dass es so nicht weitergeht. Aber es ist ein ehrlicher.

Lange habe ich diese Erkenntnis vor mir hergeschoben und ich scheue mich davor, sie mit euch zu teilen. Ich habe Angst vor Verurteilung, die ich so oft in der Tierschutzszene erlebe. Meistens jedoch kommt sie von solchen Leuten, die selbst niemals in dem Maße Verantwortung übernommen haben und vielleicht gar nicht nachvollziehen können, dass man an ehrenamtlichen Engagement schleichend ausbrennt,ohne damit überhaupt gerechnet zu haben.

Wir haben den Gnadenhof mit Sicherheit nicht gegründet, weil wir wussten, dass wir die Arbeit eines Tages nicht mehr bewältigen können. Wir haben stets und zu jeder Zeit alles von uns gegeben, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und die uns anvertrauten Tiere nie als reine Versorgungsnummern behandelt, sondern als unsere Freunde. Unsere Freunde mit Namen, mit Charakter, mit besonderen Eigenschaften und Vorlieben. Wer uns persönlich kennt, weiß das.

All unsere Energie, unsere Träume, Hoffnungen und Visionen sind in diesen Hof geflossen. Unser ganzes Herzblut. Der Gnadenhof war und ist ein Herzensprojekt und unser großer Traum.
Sich einzugestehen, diesen Traum nicht weiter in der jetzigen Form weiterführen zu können, ist über die Maßen schmerzhaft und mit großen Schuldgefühlen verbunden.

Wir möchten den Hof vorerst nicht ganz aufgeben, sondern erstmal ganz konkret die Arbeit reduzieren, indem wir für einige Tiere ein ebenso schönes Zuhause suchen möchten. Der Hof und dessen Strukturen bleiben bestehen und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir den Hof zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufleben lassen, wenn die Kapazitäten andere sind. Der Verein bleibt somit bestehen.
Unter „zu vermittelnde Tiere“ sind alle Tiere aufgelistet, von denen wir uns leider verabschieden müssen. Wenn eines davon euer Patentier sein sollte, verstehe ich, wenn ihr dann auch von der Patenschaft zurücktreten wollt. Sie ist natürlich auch auf die verbleibenden Tiere übertragbar.

 

Abschließend bitte ich euch um euer Verständnis. Und wenn ihr dieses nicht aufbringen könnt, dann verurteilt uns wenigstens nicht. Während der Arbeit und all der Umstände, Kontakte und Geschichten habe ich eines gelernt: „Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist“ (indianisches Sprichwort).

Auch denke ich, dass im Eingestehen von Schwäche auch Stärke liegt. Denn nach wie vor steht für uns das Wohlergehen unserer Tiere an erster Stelle. Und wenn wir dieses vielleicht irgendwann nicht mehr gewährleisten können, weil wir einfach ausfallen, dann wäre es falsch, diese Situation zu verschweigen oder schönzureden aus Angst, als Versager und Tierabschieber abgestempelt zu werden.

Wir haben gekämpft und es schlussendlich trotz wachsender Bekanntheit und steigender Spendenzahlen nicht geschafft. Vielleicht wäre bald der Punkt erreicht gewesen, an dem es konstant und stabil aufwärts gegangen wäre und uns eine dritte Personals Arbeitskraft dauerhaft zur Verfügung gestanden hätte. Aber dies sind schlussendlich bloß alles Spekulationen, um die sich unsere Überlegungen nun schon seit so langer Zeit kreisen. Deswegen ziehen wir nun erste Konsequenzen, bevor wir gar nichts mehr tun können.

All unsere Tiere vermitteln wir natürlich nur in -soweit man davon sprechen kann- artgerechte Zuhause mit großem und dauerhaftem Auslauf, entsprechender Kenntnis über artspezifische Haltungs-und Fütterungsbedingungen und es versteht sich von selbst, dass sie nicht geschlachtet werden dürfen.

Danke fürs Lesen und euer Verständnis.

 

PS. Wir vermitteln Kaninchen und Enten. Wenn ihr Interesse habt, kontaktiert uns bitte.