neues „Tierwohllabel“

 

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Wer findet es gut, wenn der Nachbar seinen Bernhardiner ausschließlich im Badezimmer hält? Schließlich kann der Hund sich dort mehrfach am Tag umdrehen. Das ist doch schon mal was! Weil der Nachbar auf Tierwohl achtet, kippt er sogar das Badezimmerfenster, so dass sein Hund Frischluft erhält. Noch nicht genug? Na gut. Der Nachbar legt seinem Hund noch eine Kaustange mit in den Raum.
Noch immer nicht ausreichend? Nun, so lange muss der Hund ja in dem kleinen Raum auch gar nicht ausharren. Gerade mal sechs Monate. Dann wiegt er so viel, dass der Nachbar sich seinen Bernhardiner schmecken lassen kann….
Mit gutem Gewissen, denn der Hund hatte frische Luft, organisches Beschäftigungsmaterial und im Badezimmer immerhin mehr Platz als 90 Prozent aller Schweine.

Wir haben zum Glück keine Nachbarn, die ihren Hund so halten. Allerdings ging am 1. April das einheitliche „Tierwohllabel“ mehrerer deutscher Handelsketten an den Start.
(Anm.: Es handelt sich hier nicht um das staatliche Label, das ist für 2020 geplant.)

Bei diesem Label wird abgepacktes Fleisch in vier Kategorien eingeteilt. Die erste Stufe entspricht genau den gesetzlichen Mindestanforderungen. Hier hat ein Schwein gerade mal 0,75 m2 Platz. Tageslicht oder gar Zugang zu Frischluft ist hier nicht vorgesehen. Das betrifft über 90 Prozent der Schweine in Deutschland. In Stufe Vier hat ein Schwein dann dagegen 1,5 m2 Platz.
In den ersten beiden Stufen ist sogar die ganzjährige Anbindung bei Jungbullen erlaubt. In Stufe 4 namens „Premium“ muss einer Kuh zumindest 5 m2 Platz zur Verfügung stehen. Zum Vergleich – eine klassische Pferdebox ist 9 m2 groß.

Das Label soll für Transparenz sorgen. Doch die Teilname an der Kategorisierung ist für die Betriebe freiwillig.
Wer wirklich etwas zum Tierwohl beitragen möchte, achtet sowohl auf ihr Bedürfnis nach hoher Lebensqualität, als auch und vor allem ihren Lebenswillen.

Denn
„Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.“
(Arthur Schopenhauer)

Quelle Foto:
https://www.facebook.com/watch/?v=1246391642187471