Ist Veganismus wirklich eine Religion?!?

 

1. „Vegan ist eine Religion“ – Dies ist nicht korrekt. Die Entscheidung für eine vegane Ernährung erfolgt aus rational nachvollziehbaren Gründen und ist zumeist ethisch oder gesundheitlich motiviert. Eine vegane Ernährung ist lediglich eine konsequente Umsetzung der eigenen Werte am Esstisch. Ebenso wie die Ablehnung von Rassismus oder Sexismus keine Religion ist, ist auch die Ablehnung des Karnismus im Rahmen einer veganen Ernährung keine Religion. Missstände in der Gesellschaft aufzuzeigen und für eine aktive Veränderung einzutreten ist nicht mit „missionieren“ im religiösen Sinne zu verwechseln.

2. „Vegetarismus genügt“ – Der Autor schreibt, dass der Verzicht auf Fleisch besser für Mensch, Tier und Klima wäre, aber er schreibt auch, dass eine vegetarische Ernährung hierzu bereits genügen würde und Veganer „aus Prinzip“ einfach noch weiter gehen würde. Dieses Prinzip ist aber keine Sturheit oder Fanatismus, sondern das Wissen, dass für die Milchproduktion Kälber und für die Eierproduktion Küken in unvorstellbaren Dimensionen sterben und die Milchproduktion darüber hinaus auch aus ökologischer Sicht problematisch ist. Vegetarismus ist ein Schritt in die richtige Richtung und der Veganismus geht diesen Weg konsequent weiter.

3. „Veganismus ist teuer“ – Der Autor kritisiert den Artikel von Bernd Ulrich aus dem Zeit-Magazin und prangert an, dass dessen veganes Frühstück im Vergleich zu einem herkömmlichen Frühstück zu teuer wäre und gibt damit indirekt zu verstehen, dass Veganismus nur etwas für gut verdienende Personen wäre. Das vom Autor Bernd Ulrich beschriebene vegane Frühstück aus Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Leinsamen, Früchte, Trockenobst, etc. ist dabei allerdings wesentlich günstiger als ein vergleichbares mischköstliches Frühstück ähnlicher Qualität. Es wird fälschlicherweise stets günstige Discounter-Mischkost mit veganen Gerichten aus dem Bioladen verglichen. Vergleicht man Gleiches mit Gleichem, dann wird klar: Biologisches Fleisch, Käse, etc. aus sogenannter „artgerechter“ Haltung (nicht meine Wortwahl) sind die tatsächlichen teuren Luxusprodukte und niemand muss teure vegane Fertiggerichte oder exotische Superfoods kaufen, um sich gesund (und günstig) vegan zu ernähren.

4. „Veganer sind inkonsequent“ – der Autor beklagt, dass Veganer inkonsequent sind und ja auch mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, SUV fahren und hin und wieder auch Ausnahmen machen. Zum einen treffen alle drei Punkte bei weitem nicht auf alle vegan lebenden Menschen zu und viele Veganer fahren kein oder ein wesentlich sparsameres Auto, fliegen wesentlich seltener als der Durchschnitt und machen gänzlich keine Ausnahmen. Selbst wenn sie eines dieser Dinge doch tun, stellt dies noch kein Argument gegen den Veganismus dar. Der Autor kritisiert mit seiner Position sozusagen, dass eine Person, die versucht so wenig Leid wie möglich zu verursachen inkonsequent ist, wenn sie es nicht in jedem Lebensbereich zu jeder Zeit immer perfekt schafft. Doch was ist die Alternative? Nur, weil man nicht in jedem Lebensbereich perfekt ist, sollte man es gleich ganz aufgeben und stattdessen in jedem Lebensbereich ungeachtet konsumieren und ressourcenintensiv leben? Nur, weil eine Person ein mal im Jahr in Urlaub fliegt, ist es dennoch überhaupt nicht egal, was sie im restlichen Jahr konsumiert und welche Auswirkungen dies hat. Veganismus ist kein Wettrennen mit Gewinnern und Verlierern, sondern der Wunsch von mehr und mehr Menschen, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten weniger Schaden in der Welt anzurichten. Elektroautos, Passivhäuser und weiteres sind großartige Maßnahmen, um nachhaltiger zu leben, aber kaum etwas tun wir so oft wie essen und mit kaum etwas kann man mit so wenig Mehrkosten und Mehraufwand so viel ändern wie mit einer Ernährungsumstellung.