Heute vor dem Schlachthof

 

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ARIWA – Animal Rights Watch e.V.

Eine unserer Aktiven hat gestern an der Nachtwache vor einem lokalen „Frischfleischzentrum“ teilgenommen – einem der Orte, an denen fühlende Lebewesen vorgeblich „tier- und fachgerecht“ zu handlichen, verzehrfertigen Stücken verarbeitet werden. Das ist ihr Bericht.

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„Heute vor dem Schlachthof.
Nicht die Transporter waren das Schlimmste.
Nicht die Schweine, die ihre Rüssel zum Teil rausstreckten.
Nicht der abartige Gestank.
Nicht der arrogante Inhaber, der stolz auf den Export der Schweinepfoten nach China war, darauf bestand, dass er keine Tiere töte, sondern nur schlachte, und fragte, woher man denn sonst sein Protein bekommen sollte.
Nicht die Tierschutzbeauftragte, die, vom Schlachthof angestellt, versicherte, dass sie darauf achte, dass alles wunderbar in diesen Wänden abläuft, und sämtliche Arten der Betäubung und deren Vor- und Nachteile mit mir durchging.

Es waren zwei sympathische ältere Männer, die herauskamen und fragten, was wir hier machen.
Ah, okay – sie seien für die Instandhaltung der Maschinen dort verantwortlich. Derer, die töten. Sie seien quasi Mittäter, wenn man es genau nehme. Warum wir hier stünden und nicht bei den Menschen, die konsumieren. Beim Metzger an der Theke zum Beispiel. Es seien schreckliche Zustände im Schlachthof. Das sollte man mal alles filmen und dann den Leuten zeigen. (Ich sage, dass es Recherchen gibt, die wir immer wieder zeigen, und dass die Leute glauben, es wäre eine Ausnahme.) Nein, so wie man es im Fernsehen immer sieht, genauso sehe es da drin tagtäglich aus. Genau so. Die Menschen, die dort arbeiten würden, behandelten die Tiere schrecklich (er macht eine kickende Bewegung mit seinem Fuß) und die Gespräche in der Kantine seien furchtbar.
Am schlimmsten seien die Kälber und die Ferkel, die eigentlich gar nicht dort geschlachtet werden dürften. Manchmal kämen eben doch welche mit. Grausam sei das. Filmen sollte man das. Die Leute wissen doch gar nicht, was da vor sich geht …

Die Tierschutzbeauftragte suchte nach den ersten paar Sätzen das Weite und die beiden Männer merkten auf, sie seien wohl jetzt die Verräter, und verabschieden sich darauf schnell wieder.

Ich hoffe, ihre Ehrlichkeit hat keine Konsequenzen.

Nach gefühlt einer halben Ewigkeit Gespräch mit der Tierschutzbeauftragten, die vermitteln wollte, wie sehr ihr die Tiere am Herzen liegen (Agrarwissenschaftlerin), machen fünf Minuten Gespräch eine Illusion zunichte, die ich sowieso nicht geglaubt hatte. So nachhaltig, dass es Alpträume hervorrufen wird, die für viele Lebewesen heute Nacht Realität sind.

Ich werde meinen Mund nicht halten.
Nie, solange ich lebe.“