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Der Transporter fährt schnell, dein Körper schwankt hin und her. Du würdest fallen, wenn ihr nicht so eng aneinandergepresst stündet.

Bereits zu dem Zeitpunkt, als ihr in den dunklen und stickigen Laderaum gedrängt wurdet, wusstest du genau, wohin sie dich bringen werden. Du hast es schon so lange geahnt und dich immer vor diesem Moment gefürchtet.

Alles fing damit an, als man dich von deiner eigenen Mutter getrennt hat. Du warst noch so klein! Du hattest solch eine Angst, hast Tag und Nacht geweint und verzweifelt nach ihr gerufen, so wie sie nach dir.
Aber niemand kam, niemand half, niemanden hat es interessiert, ob es dir schlecht geht und du deine Mutter brauchst.

Du warst nur ein Leben von so vielen, deren bisherige Zeit aus Einsamkeit, Nässe, Kälte und Schmerz bestand.
Die Zeit zog sich dahin, bis heute.

Bis du zusammen mit allen anderen getrieben und gezwungen wurdest, die schweren Schritte in den Transporter zu gehen.

Du zitterst, du hast so schreckliche Angst! Die anderen keuchen, weil sie kaum Luft bekommen in diesem düsteren und nach Kot stinkenden Raum. Ihre Tränen hören nicht auf zu fließen.

Du hörst direkt hinter dir schmerzverzerrte und durchdringende Schreie, die dir durch Mark und Bein gehen. Umdrehen kannst du dich nicht, du kannst deinen Kopf nicht einmal drehen, denn dein Gesicht wird dicht an die kalten Gitter an der Wand gedrückt. Die Schreie werden immer lauter, du kannst dich kaum auf etwas anderes konzentrieren als auf die unglaubliche Angst, die durch deinen Körper fährt.

Es wackelt immer mehr, bis der Transporter ruckartig stehen bleibt und du laute Menschenstimmen hörst.

Es ist soweit, ihr seid da. Angekommen am Ende eures Lebens.
Du hörst die Schritte der Menschen und zitterst immer mehr. Dein Herz rast, vor deinen angstverzerrten Augen verschwimmt nach und nach alles, du nimmst die anderen und ihre Schreie nur am Rande wahr. Du weinst, du möchtest schreien, doch die Panik nimmt dir den Atem und die Kraft dich zu bewegen.
„Das war es also? Das war das Leben?
Das war das Leben, das mir und den anderen gleich genommen wird? Warum?“

Die Tür geht auf, das grelle Tageslicht strömt in den Laderaum.
Das war deine letzte Reise.
Deine Reise in den Tod.

Die Sonne scheint so hell, während dein Lebenslicht erlischen wird. Weil die Menschen es so wollen.

Am Ende wird man sich guten Gewissens sagen, dass du ein gutes Leben hattest.
Du und all die anderen.