Oft werde ich gefragt, wie wir es ertragen so viel Tierleid zu sehen bei unseren Recherchen. Ob wir emotional einfach abgestumpft seien, ob wir diese Aufnahmen gar nicht mehr an uns ranlassen würden. Und ich denke jede Person hat dafür eine andere Antwort. Meine ist dieses Video.

Das Video dauert 56 Sekunden. Doch diese 56 Sekunden waren für mich einmal eine Ewigkeit. Als ich dieses Video aufgenommen habe, wusste ich, dass der Kleine garantiert höllische Schmerzen erleidet. Man hört es nicht besonders gut, aber er hat leise vor sich hingefiepst. Gerade erst geboren und schon so ein Schicksal. Wir sehen ständig Ferkel, die sich irgendwo verklemmen, deren kleine Füße steckenbleiben oder die versehentlich von ihren Müttern totgetreten oder totgedrückt werden – weil diese in einem Kastenstand eingeklemmt sind, ohne sich umdrehen oder sich richtig um ihre Kinder kümmern zu können.

Unsere Aufgabe ist es, diesen täglichen Wahnsinn zu filmen und öffentlich zu machen. Damit sich eines Tages etwas ändert. Das bedeutet, dass 56 Sekunden eine Ewigkeit werden können. 56 Sekunden, in denen du nichts tust, außer zuzusehen, die Kamera zu halten und gedanklich die zu verfluchen, die diesen kleinen Lebewesen so etwas antun.

Das Schlimmste ist, nichts tun zu können. Einfach nur zusehen und dokumentieren zu müssen. Und selbst nachdem ich den Kleinen aus der Spalte gezogen habe, weiß ich, dass ihn in seinem Leben nur Grausames erwartet. Wenn er überhaupt die ersten Tage überlebt. Die Schwächeren werden oft genug einfach totgeschlagen, da es sich nicht lohnt sie separat großzuziehen.

Nein, es ist nie einfach Tierleid zu sehen. Doch was wirklich schwer ist, ist die Untätigkeit. Sie nicht retten, nicht mitnehmen zu können. Sie dort ihrem Schicksal zu überlassen, während man selbst die Tür hinter sich schließt und den Gestank, die Enge und den Dreck hinter sich lässt.

All die Seelen, die ich zurückgelassen habe. Ich wünschte ich hätte mehr für sie tun können. So viele ihrer Gesichter, ihrer Blicke haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. So vielen habe ich gedanklich versprochen, dass ihr Schicksal nicht vergessen sein wird. Dass Millionen ihre Geschichten hören werden und dass ihre Blicke die Herzen der Menschen erweichen werden. Dass wir aufwachen und realisieren, welches Unrecht wir ihnen angetan haben.

Wie viele Gesichter werde ich noch zurücklassen müssen, bis der Tag gekommen ist, an dem wir Schluss machen mit der sinnlosen Quälerei? An dem wir erkennen, dass wir keine Tierprodukte brauchen, um glückliche und gesunde Leben zu führen? An dem wir uns für Mitgefühl statt Grausamkeit entscheiden und die Geschichten der Millionen Tiere nichts als Mahnmale einer dunklen Vergangenheit sein werden?

Mein Herz zerreißt, wenn ich die 56 Sekunden revue passieren lasse. Doch ich weiß, dass du längst nicht mehr leidest. Deine Geschichte hat bereits ein trauriges Ende gefunden. Es liegt nun an jedem Einzelnen von uns, die Geschichten derer, die nach dir kommen, zu ändern. Es liegt in unserer Hand. Lasst uns Teil einer Bewegung sein, die eine der größten Ungerechtigkeiten unserer Zeit abschafft. Seid mutig und sprecht euch aus für Tierrechte. Ihr werdet es nicht bereuen.