Wenn man es als Veganer wagt, den Fleischkonsum anderer Menschen zu kritisieren, ist man ja bekannterweise: intolerant und militant und fanatisch und extremistisch und missionarisch und…

[hm? Was? oh, sorry… war kurz weggenickt…]
-also so ganz allgemein ganz schön scheiße ist man als Veganer jedenfalls, wenn man nicht dauerhaft die Tofu-Fresse hält. Kennt man…

Für Fleischesser gelten da aber, wie man weiß, andere Kriterien. Jeder Fleischesser hat ja eine Freundin, deren Cousine von ihrem Friseur gehört hat, dass der Dealer einer Bekannten einen Onkel hat, der jemanden kennt der einen Wellness-Bauernhof betreibt, wo man Eier von permanent euphorisch jubelnden Hühnern kaufen kann. Und das ist ja im Grunde ganz genau so als würde man selbst nichts anderes kaufen. Und im Gegensatz zu Veganern die sich das in ihrer Arroganz nur einbilden, macht einen dies tatsächlich automatisch moralisch überlegen und berechtigt dazu andere weniger rücksichtsvolle Fleischesser anprangern.
Denn was diese Massentierhaltungsunterstützer tun, ist grausam, unmenschlich und „lebensverneinend“[sic]. Was man selbst tut, ist hingegen tierfreundlich, selbstlos, engagiert und naja… sicherlich volle Möhre lebensbejahend.

Auch soweit jedenfalls nichts Neues.

Aber wenn dann damit argumentiert wird, dass man die Eier nur dort kauft, wo die männlichen Küken nach der Geburt nicht gleich geshreddert werden, wird es mathematisch interessant.

Zunächst ist es mir zwar nebulös, wieso das überhaupt ein empörendes Thema für viele Nichtveganer darstellt. Schließlich ist doch das Töten angeblich nie das Schlimme sondern nur die Tierquälerei. Und wenn man bei so nem Shredder ordentlich Stoff gibt und das Ding richtig hochtouren lässt -is‘ doch alles ganz fix vorbei. Wo iss’n das Problem?
Aber vermutlich ist das wieder sowas was ich wegen B12-Mangel nicht verstehe. Nehmen wir es mal so hin.

Hier nun mal ein Zitat von einer diesbezüglich erwähnten vermeintlichen Ei-Bezugsquelle:

„Während konventionelle Masthähnchen nach ca. 35 Tagen und klassische Bio-Hähnchen nach ca. 2,5 Monaten geschlachtet werden, wachsen unsere haehnlein schonender und langsamer auf. Sie erreichen nach etwa 4 bis 5 Monaten ihr Schlachtgewicht Sie werden dann von ihrem betreuenden Personal behutsam verladen und in die Geflügel-Schlachterei transportiert.“

Ok… Ich möchte mich eigentlich noch darüber auslassen, welche geistigen Verrenkungen man anstellen muss, um sich einen solchen Satz als etwas positives zurechtzubiegen: „Sie werden behutsam verladen für ihre grausame Aufschlitzung und Zerstückelung.“ Dieses Formulierung lässt mich schaudern. Aber zum Schaudern sind wir ja nicht hier, sondern weil wir Mathe und Statistik mögen:

Diese Bio-Hähnchen haben also das große Glück nicht in 2,5 Monaten schlachtreif zu sein sondern in stolzen 4-5 Monaten.

Hähnchen können 20 Jahre alt werden. Shreddert man sie bei der Geburt, nimmt man ihnen also 20 Jahre ihres Lebens. Interessant ist jetzt, dass sich manche Ei-Konsumenten dafür auf die Schulter klopfen, diese Praxis vermeintlich nicht zu unterstützen. Das heißt, sie sind schon irgendwie stolz auf sich, dafür dass sie Hähnchen nicht 20 Jahre ihres Lebens nehmen, sondern nur 19 Jahre und 7 Monate. Diese knapp 2% Differenz machen dann wohl den Unterschied zwischen lebensverneinend und lebensbejahend. Muss man wissen…

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