Artgerecht in aller Munde – Tierwohl und artgerechte Haltung sind wichtig. Oder?

 

Artgerecht in aller Munde

Aber wieso eigentlich? Warum legen wir Wert auf artgerechte Haltung, auf bio und Tierwohl?

Wenn Tiere nur empfindungslose, wandelnde Fleischhaufen wären, nur gefühllose, organische Milch- und Eier-Automaten, dann könnte uns das doch egal sein. Wer nicht fühlt, wer nicht unterscheiden kann, ob es ihm gut oder schlecht geht, der kann auch kein Interesse daran haben, dass es ihm gut geht. Dann wäre artgerechtes Bio-Tierwohl völlig sinnlos.

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Alcatraz. Menschgerechte Haltung?

Warum ist es wichtig für uns, dass es den Tieren gut geht?

Weil wir sehr wohl wissen, dass es ihnen schlecht geht. Weil wir sehr wohl wissen, dass sie leiden, wenn sie eingesperrt werden, verstümmelt werden, ausgebeutet und getötet werden. Weil wir es als Schaden, als Leid, als Unrecht werten, wenn uns solches zustößt und weil wir instinktiv wissen, dass unser Umgang mit den Tieren auch für sie Schaden und Leid bedeutet und deshalb ebenso unrecht ist.

Unser Wunsch, dass es den Tieren gut geht, zeigt kristallklar, dass wir uns darüber bewusst sind, dass es ihnen schlecht gehen kann und dass sie es mitkriegen, wenn es ihnen schlecht geht, dass sie leiden, wenn es ihnen schlecht geht und dass sie folglich ein Interesse daran haben, dass es ihnen gut geht. Unser Wunsch nach artgerechter Haltung zeigt, dass wir uns völlig im Klaren darüber sind, dass die Tiere eigene Interessen haben und dass sie ihren Interessen nicht nachgehen können, solange sie Eigentum sind, solange ihre Interessen denjenigen des Eigentümers komplett untergeordnet sind. So untergeordnet, dass der Eigentümer mit einem Fingerzeig entscheiden kann, wer weiterleben darf und wer sterben muss.

Welches Gefängnis wäre wohl menschgerecht? Welche Verstümmelungen könnte man als menschgerecht billigen? Welcher Tod wäre menschgerecht? In welchem Alter wäre der Tod menschgerecht? Am Wichtigsten aber ist die Frage: Wer dürfte das definieren? Wer dürfte festlegen, welche Art der Freiheitsberaubung, wieviel Schmerz und Angst und welcher Tod für uns zumutbar wären?

Niemand dürfte das. Niemand. Allein die Fragestellung erscheint uns bereits absurd, wenn sie auf uns angewendet wird. Warum? Weil wir fühlen. Weil wir eigene Interessen haben. Genau wie sie.

Deswegen drückt unser Gewissen. Deswegen brauchen wir Wörter wie artgerecht und Tierwohl. Wir möchten weiter machen wie bisher und uns trotzdem nicht schlecht fühlen dabei.

Es reicht aber nicht, 50 Cent mehr für das Pfund Fleisch, oder 10 Cent mehr für die Eier zu bezahlen, um aus Unrecht eine edle Tat zu machen. So funktioniert Moral nicht. Und das wissen wir genau. Du weißt es genau.

„Und wenn es uns auch gelänge, ihnen den Himmel auf Erden zu bereiten, so gäbe uns das trotzdem nicht das Recht, sie auszubeuten und zu töten.“ ~S.F.