Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar

 

Eines der traurigsten Kapitel im Leben eines Veganers sind die Familie und der Freundeskreis. Die Menschen, die man liebt, denen man am Nächsten steht. Sie meinen’s doch nur gut mit dir. Sie machen sich solche Sorgen. Aber leider, nur allzu oft, versuchen sie nicht wirklich zu verstehen, was in dir vorgeht. Sie halten den Veganismus für eine Marotte, für eine Mode. Das ist so eine Phase. Das gibt sich wieder.

Wird es nicht. Weil es unmöglich ist. Niemand, der mit dem Herzen hingesehen hat, kann vergessen. Kann je wieder teilhaben an dieser Ungeheuerlichkeit. Es ist völlig unmöglich.

Ach, komm schon. Nur ein kleines Stückchen Käse. Das kann doch nicht so schlimm sein. Hast du doch früher immer so gern gegessen. Nun stell dich nicht so an. Das tut dir doch nicht weh.
Mir nicht. Aber jemand anderem hat es bereits weh getan. Das ist keine Nahrung, das ist geronnene Folter. In Klarsichtfolie verpacktes Entsetzen.

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Aber ich wage es nicht, den Menschen in meinem direkten Umfeld die volle Wahrheit zuzumuten. Ich habe so schlimme Bilder im Kopf, so fürchterliche Filme, so entsetzlich traurige Geschichten. Die Ungeheuerlichkeit, mit der wir es hier zu tun haben, ist in ihrem Ausmaß beispiellos.
Manchmal wandere ich durch die Welt wie durch einen Alptraum, geistesabwesend, wie aus der Realität geworfen, in Trauer abgleitend, und es kann vorkommen, dass ich mitten auf der Straße in Tränen ausbreche. Dann verstecke ich mich in einem Hauseingang und schäme mich auch noch dafür.
Ich möchte diese Abscheulichkeiten nicht in die Köpfe meiner Lieben pflanzen. Auch nicht in irgendjemandes Kopf, denn ich weiß, dass es dort für immer bleibt. Aber manchmal fürchte ich, dass es vielleicht anders nicht geht.
Hast Du den Mut, Dir anzusehen, anzuhören, was Du anrichtest? Und wenn nicht, warum fällt es Dir so leicht, anderen körperlich zuzumuten, was Du Dir nicht einmal vorstellen magst, nicht ansehen kannst? Und wenn Du bereits weißt, dass das alles „zu schlimm für Dich ist“, warum hörst Du dann nicht damit auf, es anderen anzutun?
Du kannst nicht aushalten, es zu wissen? Sie sind es, die es nicht aushalten können und doch müssen sie es.
Es folgen nun ein paar Berichte von Schlachthausarbeitern, wie es wirklich an diesen Orten des Grauens zugeht. Und es folgt ein Video, in dem ein ehemaliger Schlachter von seiner Arbeit erzählt. Ich zwinge Dich nicht, das zu lesen, Dir das anzusehen oder anzuhören. Du kannst hier aufhören und Dich weg klicken.
Aber wenn Du Dich dieser Hölle entziehst, dann sei konsequent und schick nicht andere dorthin.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Gail Eisnitz hat in ihrem Buch Slaughterhouse etwas Ähnliches wie eine solche Enzyklopädie geschaffen. über einen Zeitraum von zehn Jahren hat sie dafür recherchiert und zahlreiche Interviews mit Arbeitern geführt, die zusammen über zwei Millionen Stunden an Schlachthoferfahrung vorweisen können; kein anderes Werk zu diesem Thema ist so aussagekräftig. *
Einmal war der Bolzenschussapparat den ganzen Tag kaputt, da haben sie ein Messer genommen und den noch stehenden Rindern den Hals am Kamm aufgeschnitten. Da fallen die Rinder einfach um und zucken. Und sie stechen Rindern ins Hinterteil, damit sie vorwärts gehen. Brechen ihnen die Schwänze. Schlagen sie ganz brutal … Und das Rind muht unablässig mit weit rausgestreckter Zunge.
Es ist nicht leicht, darüber zu reden. Du stehst unter totalem Stress, dem ganzen Druck. Und es klingt richtig gemein, aber ich habe ihnen den Elektro-Treibstab in die Augen gesteckt. Und ihn dort gelassen.
Im Tötungsbereich, wo immer viel Blut fließt, macht einen der Blutgeruch ganz aggressiv. Wirklich. Du kriegst die Einstellung, dass wenn ein Schwein nach dir tritt, du es ihm heimzahlst. Eigentlich tötest du es ja schon, aber das reicht noch nicht. Es muss leiden … Du gehst hart ran, setzt ihm zu, schlägst ihm die Luftröhre kaputt, lässt es in seinem eigenen Blut ertrinken. Spaltest ihm die Nase. Da rennt also ein lebendes Schwein durch die Wanne. Es guckt zu mir hoch, und wenn ich grade den Job als Stecher habe, dann nehme ich das Messer und – krrrk – schneide ihm ein Auge raus, während es einfach dahockt. Und dann schreit das Schwein wie am Spieß. Einmal habe ich mein Messer genommen – es ist ziemlich scharf und einem Schwein ein Stück von der Nase abgeschnitten, als wär’s eine Scheibe Mortadella. Das Schwein ist ein paar Sekunden lang durchgedreht. Dann hat es bloß noch dagehockt und irgendwie dumm geguckt. Also nehme ich eine Handvoll Salz und reibe es ihm in die Nase. Da ist das Schwein richtig ausgeflippt und hat die Nase wie wild durch die Gegend geschüttelt.
Ich hatte noch ein bisschen Salz auf der Hand – ich trug einen Gummihandschuh –, das drückte ich dem Schwein direkt in den Arsch. Das arme Vieh wusste nicht mehr, ob es scheißen oder blind werden sollte … Ich war nicht der Einzige, der solche Sachen gemacht hat. Ein Schlachter, mit dem ich zusammenarbeite, treibt die Schweine manchmal noch lebend in das Brühbad. Und jeder – die Treiber, die Anhänger, die Saubermacher – schlagen Schweine mit Metallrohren. Jeder weiß das, alles.“
* aus dem Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, wo er diese Aussagen gesammelt hat und Gail Eisnitz zitiert.

Der Bericht der Veterinärin Christiane M. Haupt aus dem Schlachthof-Praktikum:

http://www.react-online.de/themen/schlachthof.html

Ein Bericht der Washington Post über Fehlbetäubungen. „They Die Piece by Piece“ – Sie sterben Stück für Stück.

https://www.uta.edu/…/Warrick,%20They%20Die%20Piece%20by%20…
Focus: Verbrüht, verstümmelt, gequält – So leiden Tiere in Ställen und Schlachthöfen

http://www.focus.de/…/tierquaelerei-in-staellen-und-schlach…

Wiesenhof-Skandal:

http://www.ardmediathek.de/…/ARD-exclusiv-…/Das-Erste/Video…

http://www.focus.de/…/gefluegelzuechter-erneut-am-pranger-t…
Männliche Küken werden in Deutschland erstickt, vergast und zerschreddert

http://www.tagesspiegel.de/…/maennliche-kueken-w…/87050.html
Und das alles ist nur die ganz kleine, alleroberste, stecknadelkopfgroße Spitze des Eisbergs. Wer anfängt, sich kundig zu machen, der kommt aus dem Grauen nicht mehr heraus.