Rumänische Streunerhunde – nach dem Treffen mit Premierminister Ciolos: Es wird sich etwas bewegen!

 

Stefan Bernhard Eck MEP

Bericht aus Bukarest / 28.07.2016

Rumänische Streunerhunde – nach dem Treffen mit Premierminister Ciolos: Es wird sich etwas bewegen!

Wie bereits berichtet, fand am 28. Juli 2016 das wichtigste Treffen im Kampf für die Streunerhunde Rumäniens statt, auf das der EU-Abgeordnete Stefan Bernhard Eck seit rund zwei Jahren hingearbeitet hatte: ein Gespräch auf höchster politischer Ebene.

Der Termin wurde durch die freundliche Unterstützung des rumänischen Botschafters, seine Exzellenz Emil Hurezeanu, ermöglicht, nachdem Claudiu Dumitriu und Stefan B. Eck ihn letzte Woche in Berlin davon überzeugt hatten, dass dieses brisante Thema auf höchstmöglichem Niveau angesprochen werden müsse.

Das fast 40-minütige Vier-Augen-Gespräch, bei dem über das brutale und inakzeptable Populationsmanagement in Rumänien sehr offen diskutiert wurde, gestaltete sich zeitweilig schwierig, da Premierminister Ciolos nur noch eine kurze Periode im Amt ist; Ende November/Anfang Dezember finden in dem südost-europäischen Land Parlamentswahlen statt.

MdEP Stefan B. Eck äußerte gegenüber dem rumänischen Regierungschef dezidiert seine persönlichen Bedenken hinsichtlich der landesweiten Massentötungen von Streunerhunden. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass auch eine Vielzahl seiner Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Parlament – insbesondere die Mitglieder der überfraktionellen Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals – der Vorgehensweise Rumäniens sehr kritisch gegenüberstehen. Der EU-Abgeordnete machte Premierminister Ciolos auch darauf aufmerksam, dass hunderttausende Tierfreund*innen in Europa empört sind und diese Empörung bereits zu einem immensen Imageverlust seines Landes geführt habe, was der Premierminister, der selbst Vegetarier ist, mit Sorge zur Kenntnis nahm.

Im Verlauf des Gespräches wurde die Problematik von verschiedenen Seiten beleuchtet, auch die Tatsache, dass seitens der rumänischen Tierschützer*innen wenig politisches Engagement zu erkennen ist und dementsprechend wenig Impulse seitens der politischen Parteien erfolgen, die zu konkreten Verbesserungen im Tierschutz führen. Das Problem unseriöser Tierschutz-NGOs, die sich durch das Populationsmanagement und an der Situation der rumänischen Streunerhunde insgesamt finanziell bereichern, wurde ebenso angesprochen wie die Tatsache, dass die rumänische Bevölkerung hinsichtlich der getroffenen Maßnahmen geteilte Meinungen habe und eine Spaltung durch die Mitte der Gesellschaft ginge: Ein Teil der Rumän*innen halte die Tötungen für erforderlich, der andere Teil wünsche sich tierfreundlichere Methoden, um der vielen Streunerhunde Herr zu werden.

Das rumänische Gesetz 258/2013, so Premierminister Ciolos, sei vergleichbar mit den Streunertier-Gesetzen in einigen anderen Ländern Europas. Seiner Ansicht stelle die Nichtumsetzung der einzelnen Regelungen und der Mindesttierschutzstandards in den öffentlichen Sheltern auf lokaler Ebene das größte Problem dar. Er habe sich aufgrund der seinem Büro durch Stefan Eck, Claudiu Dumitriu und Sandra Gabriel zusammengestellten Informationen mit den verschiedenen Fakten auseinandergesetzt und sicherte dem EU-Abgeordneten zu, dass dieses Thema von nun an auf seiner Agenda stünde, es angesichts der vielfältigen Probleme seines Landes natürlich nicht der Schwerpunkt seiner Arbeit sein könne.

MdEP Stefan B. Eck sprach insbesondere an, dass die Öffnungszeiten der Shelter den gesetzlichen Vorschriften entsprechen müssten, um die Adoption von Hunden und eine größere Transparenz zu ermöglichen. Des Weiteren sollten die bürokratischen Hürden für die Adoption herabgesetzt werden. Als wichtigster Punkt forderte der EU-Abgeordnete Eck die strikte Einhaltung aller Regularien, die das Wohlergehen der Tiere in den öffentlichen Sheltern sicherstellen soll. Dazu gehörten regelmäßige Kontrollen in enger Kooperation mit seriösen Tierschutz-NGO’s.

Die Ergebnisse des Gespräches auf den Punkt gebracht:

1. Die „Message“ ist definitiv bei Premierminister Dacian Ciolos angekommen.

2. Das Thema Streunerhunde wurde zur „Chefsache“ erklärt.

3. Als ersten Schritt wird der Premierminister seine Kontrollbehörden beauftragen, die Shelter hinsichtlich der Einhaltung der bestehenden Gesetze und Vorschriften zu überprüfen.

4. Die Einhaltung des Gesetzes 258/2013 und seiner Anwendungsvorschriften soll auf lokaler Ebene forciert werden.

Zum Abschluss des Gespräches machte der EU-Abgeordnete Stefan Bernhard Eck Premierminister Ciolos darauf aufmerksam, dass Rumänien den Empfehlungen der WHO und der OIE (catch-neuter-release or adopt) folgen sollte, um ein nachhaltiges und humanes Populationsmanagement zu garantieren.

Unter Berücksichtigung der politischen Realität kann man die Ergebnisse des Gespräches als Erfolg werten; sie stellen eine solide Basis für weitere Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation rumänischer Straßenhunde dar.