Andreas Bär Läsker

Ich bin immer wieder einigermaßen erstaunt darüber, welch abstruse Statements erwachsene Menschen zum Thema Ernährung absondern.
Man habe sich ja schließlich nicht an die Spitze der Nahrungskette gekämpft, um jetzt Salat zu essen. Aha, gekämpft hat man also. Um den ersten Platz an der Supermarktkasse? Oder wie darf ich das verstehen? Und wer hat eigentlich jemals behauptet, dass Veganer nur Salat essen?
Oder auch gerne genommen, Löwen würden ja schließlich auch Fleisch essen, und man solle doch mal denen erzählen, dass sie jetzt kein Fleisch mehr essen dürften oder sollten. Wow. Da hatte ich echt nicht dran gedacht, ich gehe jetzt auch gleich los in die Stadt und erzähle allen Löwen, die ich treffe, dass ich es doof und ungerecht von ihnen finde, dass sie einfach Fleisch essen, obwohl es ja eigentlich nicht ok ist. Löwen etwas erzählen….das hatte ich jetzt echt noch nicht auf der Agenda, ich Dummerchen.
Auch immer wieder erstaunlich ist die Aussage, Fleisch gehöre nunmal zu einer ausgewogenen Ernährung dazu, sonst bekomme man schnell Mangelerscheinungen. Hm. Wenn ich mich auf meiner täglichen Sozial- und Intelligenz-Recherche an den Supermarktkassen dieser Welt umschaue, dann sind gute 90% der Waren, die auf den Kassenbändern landen, so weit weg davon, überhaupt Lebensmittel genannt werden zu dürfen, dass es wirklich erstaunlich ist, dass diese Leute, die sich einen riesigen Wagen voller Industriekekse, Kinderschokolade, Cola, Sahnejoghurts, Fertigpizzen, Dosenwurst, Raviolidosen und sonstiges aus dem Chemiebaukasten in ihr Auto und später in ihrem Magen schaufeln, im Kontext zu Veganern und zur Verteidigung ihres Fleischkonsums tatsächlich über Ausgewogenheit bzgl. Ernährung sprechen.
Sowieso scheint es ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, dass Menschen, die immer alles, aber wirklich alles in sich reinstopfen, was ihnen egal wo in welcher Qualität serviert oder angeboten wird (ich sage nur Autobahnraststätte, McDonalds, KFC, Burger King, Nordsee, Lidl, Aldi, Netto usw…) in Anwesenheit eines Veganers spontan zu mindestens hochprofessionellen Ernährungsexperten, oder sogar zu Lebensmittelwissenschaftlern mutieren. Sensationell.

Spaß beiseite….last but not least zum Thema B12, dem einzigen vermeintlich veritablen „Argument“ im Kontext zu einer veganen Ernährung:
Ja, wir brauchen alle B12, ein sehr wichtiges Vitamin. Allerdings hat sich niemand jemals Gedanken über B12 und den Mangel und vor allem nicht über die Folgen des Mangels Gedanken gemacht. Erst als das Thema vegan eine ernstzunehmende Größe erreichte, wurde das überhaupt mal auf den Plan gerufen. B12 wird in erster Linie von Mikroorganismen hergestellt, die wir über den „Dreck“ am Gemüse zu uns nehmen. Oder den die Tiere über ihr Grasfutter zu sich nehmen, und wir dann, indem wir die Tiere essen oder deren Milch zu uns nehmen.
Das Problem ist, dass weder wir noch die allermeisten Tiere (98% kommen aus Massentierhaltung) noch natürliches Futter bekommen. Somit muss selbst dem Tierfutter schon B12 beigemengt werden, weil sonst schon die Tiere einen Mangel an diesem Vitamin erleiden.
Aber Tieren ein Vitaminpräparat zu geben und dann die Tiere zu essen, um genügend B12 abzubekommen, ist ungefähr so clever wie den Apfelbaum zu fällen, um an die Äpfel zu kommen.

Also mein B12-Spiegel ist, frisch getestet, perfekt. Und ich nehme ab und an mal die B12-Zahncreme oder eine hochdosierte Lutschtablette Methylcobalamin von Vitabay. Alles gut.
Und wenn ich mir den industriellen Abfall anschaue, der an den Supermarktkassen jeden Tag millionenfach den Besitzer wechselt, dann ist meine kleine Lutschtablette ein Millonstel Mikrogramm dessen, was diese sogenannte „ausgewogene Ernährung“ im Alltag des gemeinen Allesessers an Chemie oder denaturierter Nahrung enthält.

Tatsache ist, dass viel, viel mehr Allesesser an B12 Mangel (und anderen wichtigen Nährstoffen) leiden, als Veganer.

Ich wünsche einen schönen Tag und sende Grüße aus dem tiefen Keller der Nahrungskette….