Wie neugeboren: Kalbfleisch. Aus dem Buch von Melanie Joy

 

„Warum wir Hunde lieben
Schweine essen und Kühe anziehen“
Viele Menschen haben eine Schwäche für Babys, auch dann, wenn es sich dabei um Rinder handelt. Den Anblick, wie ein neugeborenes Kalb seine ersten tapsigen Schritte in die Welt setzt, finden die meisten von uns rührend, und seine Unschuld, seine Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit wecken unser Mitgefühl . Nicht zufällig gehören junge Kälber, die noch wackelig auf den Beinen sind, zu den beliebtesten Figuren für Kinderbücher. Man kann sich daher vorstellen, wie schockiert viele Menschen sind, wenn sie vom Elend der Millionen Kälber erfahren, die jedes Jahr als unerwünschte Nebenprodukte der Milchindustrie geboren werden. Ohne die Milchindustrie gäbe es nämlich die Kalbfleischindustrie wahrscheinlich gar nicht.
Da Milchbauern mit den männlichen Kälber ihrer Kühe nichts anfangen können, geht es ihnen im Wesentlichen darum, sie loszuwerden. Wenige Tage oder gar Stunden nach der Geburt werden die Kälber auf einen Lkw getrieben-und teilweise auch gezogen, wenn sie noch nicht richtig gehen können. Die Kälber landen dann auf Auktionen, wo sie nur für 50 $ an Kalbfleischproduzenten verkauft werden. Und da es sich bei ihnen im wahrsten Sinne des Wortes um Neugeborene , ist es auf dem Auktionsplatz nicht ungewöhnlich, dass Kälber noch ein glitschiges Fell von der Geburt haben oder dass an ihrem Bauch noch die Nabelschnur baumelt.
Ihr ganzes kurzes Leben- manche Kälber werden schon nach wenigen Tagen getötet, die meisten aber leben sechzehn bis achtzehn Wochen- verbringen sie dann angebunden oder angekettet in winzigen Boxen, die so eng sind , dass sie sich nicht einmal umdrehen oder normal hinlegen können. ( in Deutschland ist die Einzelhaltung bis zu Alter von 8 Wochen erlaubt , in Ausnahmefällen auch länger. ) Und damit das Kalbfleisch seine bekannte blasse Farbe erhält, werden die Tiere künstlich mit eisenarmer Nahrung gefüttert , so das sie chronisch an der Grenze zur Blutarmut schweben. Die Kälber werden lebenslang bewegungsunfähig und kränklich gehalten und es ist daher nicht erstaunlich ,dass sie ähnliche neurologische Verhaltensweisen zeigen wie andere Tiere, die unter großen Stess leiden. Die Schlachtung von Kälber unterscheidet sich nicht von der Schlachtung anderen Tiere.