SONDERBERICHT: Fast 9 Millionen Chinesen befürworten ein Verbot des Verzehrs von Katzen und Hunden

 

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The sad caged dog at a China's dog market, 2008

Ein Gesetzesvorschlag gegen den Verzehr von Katzen- und Hundefleisch wird von Millionen Chinesen, die die Grausamkeit und Illegalität des damit verbundenen Handels satthaben, befürwortet.

Der bahnbrechende Gesetzesvorschlag ist das Werk von Zheng Xiaohe, ein 52 Jahre alter Abgeordneter des Nationalen Volkskongresses.

In seinem Antrag, die Katzen- und Hundefleischindustrie zu verbieten, führt er an:

„Bitte verbieten Sie, dass Katzen- und Hundefleisch auf die Lebensmittelmärkte, in die Essensversorgung und in die Nahrungsmittelverarbeitung gelangt. Bitte verbieten Sie den Transport, den Handel, das Schlachten, Verarbeiten und den Verkauf von Katzen- und Hundefleisch zum Zwecke des Verzehrs.“

Das ist eine Einstellung, die auch der normale chinesische Bürger teilt. Als die Möglichkeit geboten wurde, die Ansichten zu dem Gesetzesentwurf zu äußern, wählten Millionen bei einer Online-Umfrage entsprechend. Gegenwärtig liegt die Zahl der Befürworter des Verbots bei 8,6 Millionen – das ist bei Weitem die größte Beteiligung bei den Entwürfen, die gerade eingereicht wurden.

Das Begleitdokument zum Entwurf bietet einen umfassenden Überblick über die vielen Probleme, die mit dem Handel einhergehen. Die Punkte decken sich mit denen der Berichte über den Handel mit Katzen- und Hundefleisch, die Animals Asia im letzten Jahr zusammenstellte und die überall einsehbar sind.

Es wird zitiert:

1.    Eine Gefahr für die Sicherheit und die soziale Ordnung 

Die Einbruchdiebstähle, die Bürgerwehren, die bestürzten alten und sogar behinderten Menschen, die ihre geliebten Partner verlieren. Chinas Medien betonen immer wieder die Brutalität und Trauer, die durch den Handel verursacht werden. Die mit Abstand meisten Hunde werden gestohlen, nicht etwa gezüchtet, und das Ergebnis sind alle Formen der Kriminalität.

Many of the dogs at Pachong market were wearing pet collars

2. Angst vor Seuchen

Der Transport von Tausenden Hauskatzen, Haushunden und auch Streunern ohne jede Quarantäne ist für China wie eine tickende Zeitbombe. Die Hauptsorge ist eine Tollwutepidemie. SARS und H7N9 sind noch frisch in Erinnerung. Das ist kein Risiko, das eingegangen werden sollte.

A dog with obvious symptoms of disease is sold for meat

3. Eine „dunkle Industrie mit unzureichender Lebensmittelsicherheit“

In Einklang mit Animals Asias Nachforschungen aus dem letzten Jahr umreißt das Schreiben, dass die weitaus überwiegende Zahl der Hunde nicht etwa aus Farmen stammt, sondern gestohlene Haushunde sind. Das bedeutet nicht nur Trauer über den Verlust bei den ehemaligen Besitzern. Es bedeutet auch, dass der Verbleib der Tiere nicht mehr nachvollziehbar ist. Außerdem werden die Hunde oft unter Zuhilfenahme von Gift gefangen, was ein weiteres Gesundheitsrisiko darstellt.

The dogs were dropped from the top of the truck still in their cages

4. Da eine Kontrolle nicht möglich ist, ist ein Verbot die einzige Lösung

Lebensmittelsicherheit ist in China eine große Herausforderung. Bis heute gelang es dem Handel von Katzen- und Hundefleisch, sich den Regeln zu entziehen. Keine Vorschriften darüber, wie Hunde und Katzen geschlachtet werden müssen, bedeutet Lastwagen voller oft kranker, infizierter und auch vergifteter Katzen und Hunde, die keine Quarantäne durchlaufen. Während der Ermittlungen haben Mitarbeiter von Animals Asia nicht selten bereits tote Tiere in den zum Ersticken vollgestopften Transportkäfigen gesehen.

Im Bericht heißt es:

„… ein klarer Verstoß gegen die Absicht und die Mission des chinesischen Gesetzes zur Lebensmittelsicherheit und dem Gesetz zur Vermeidung von Tierseuchen.“

Dogs are transported like this for days without food or even water

Hinzu kommt, dass die mangelnde Transparenz im Zusammenhang mit dem Handel und die Unsicherheit darüber, welchen Gesetzen er unterliegt, für juristische Grauzonen und mehr Raum für kriminelle Aktivitäten sorgt.

Für die Mitarbeiter Animals Asias ist es seit Langem ein erklärtes Ziel, diese Missstände in das Bewusstsein eines größeren Publikums zu bringen.

Im Juni 2015 veröffentlichte Animals Asia vier ausführliche investigative Berichte über Chinas Hundefleischindustrie. Die Serie der Ermittlungen nahm vier Jahre in Anspruch und deckte eine große Zahl an illegalen Machenschaften innerhalb dieser Industrie auf. Als Weibo, die beliebteste Online-Plattform Chinas, den ersten Bericht ins Netz stellte, erreichte er 84 Millionen Menschen, wurde 12.000 Mal geteilt und erhielt 2.000 Kommentare. Die Berichte wurden von 60 Zeitungen und Magazinen in China veröffentlicht und gelangten so auch in mehr als 30 Ämter der Regierung.

Animals Asias Direktor für den Schutz von Hunden und Katzen, Irene Feng:

„Es ist nicht so lange her, dass es niemanden interessiert hat, woher das Essen eigentlich kommt – am allerwenigsten bei Fleisch von Hunden und Katzen. Jetzt ist Nahrungsmittelsicherheit in China ein großes Thema und zur gleichen Zeit nehmen wir immer mehr Interesse am Tierschutz wahr, besonders, wenn es sich um Begleittiere dreht.

Ursprünglich haben sich die Menschen über die Herkunft dieses Fleisches keine Gedanken gemacht. Dann hat man ihnen erzählt, es stamme aus Farmen. Jetzt wissen sie, es wurde gestohlen, womöglich ist es sogar vergiftet. Und die Beschaffung erzeugt nicht nur große Trauer bei den betroffenen Haltern, sondern sorgt auch für Einbrüche, Gewalt und Mord. Wir wissen, dass wir in China auf großen Zuspruch treffen, wenn wir etwas gegen den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch unternehmen. Die nahezu neun Millionen Stimmen hier zeigen, wie groß der Rückhalt ist.“

Auch wenn der Gesetzesvorschlag noch davon entfernt ist, wirklich in die Rechtsprechung aufgenommen zu werden, kann man wenigstens hoffen, dass die Regierung das Problem wahrnimmt. Sie sollte ihn als Barometer der öffentlichen Meinung anerkennen und verstehen, dass das Beenden dieser Industrie Anklang finden wird.

Animals Asias Gründerin, Jill Robinson:

„Wenn ein Gesetz einzig zum Wohle der Tiere schon nicht geändert werden kann, dann stellt dieser Entwurf wenigstens eines klar – der Handel mit Katzen- und Hundefleisch ist schlecht für das Land. Den Behörden ist bewusst, dass trauernde Tierhalter die Angelegenheiten nun selbst in die Hand nehmen und dadurch die harte Realität des Handels mit Katzen- und Hundefleisch ans Tageslicht kommt.

Dieser Markt ist nicht reguliert und niemand bliebe hungrig, wenn er morgen von der Bildfläche verschwände. Katzen und Hunde werden nicht verzehrt, weil Nahrung oder Geld fehlt. Sie kommen während Feiern oder speziellen Veranstaltungen auf den Tisch. Es gibt keinen Grund, dieses Gewerbe zu schützen. Es gibt nichts zu schützen, bei einem Gewerbe das auf Verbrechen basiert. Ganz abgesehen von den gebrochenen Herzen, das es bei den Tierhaltern hinterlässt, die ihre geliebten Gefährten verloren haben.“

Dass in China Hundefleisch gegessen wird, erhielt internationale Beachtung – vor allem wegen des Festes in Yulin, wo im Juni zur Sonnenwende ein Hundefleischfest veranstaltet wird. Medien berichteten, dass in der Vergangenheit dort innerhalb von zwei Tagen bis zu 10.000 Hunde geschlachtet wurden. Diese Zahl ging durch lokalen und auch internationalen Druck erheblich zurück. Letztes Jahr sprach man noch von weniger als 1.000 Hunden.

Außerdem haben sich kürzlich die örtlichen Behörden von der Veranstaltung distanziert, obschon ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass das Fest geeignet sei, Yulin und die Region Guangxi zu fördern.

Animals Asias Managerin für den Schutz von Katzen und Hunden, Carrot Chen:

„Diese Mission hält für uns das ganze Jahr an. Schätzungsweise werden in China jedes Jahr über 10 Millionen Hunde verzehrt. Die Veröffentlichungen rund um das Fest in Yulin halfen diese Thematik in das internationale Bewusstsein zu bringen. Wir müssen dieses Fest stoppen, aber wir müssen auch den Verzehr von Katzen und Hunden generell stoppen. Hunde werden gestohlen, in Käfige gezwängt, Tausende Kilometer transportiert und auf abscheuliche Weise geschlachtet. Die damit einhergehende Grausamkeit sollte in einem modernen China nicht stattfinden. Es muss aufhören und das wird es auch, da sind wir uns sicher.“