Wenn das Gewissen Urlaub macht

 

Jamm, lecker, so eine Salamipizza. Ein Schnitzel. Eine Currywurst. Wären da nicht immer häufiger die unangenehmen Informationen.

Seien es nun Einblicke in die Haltung (Beispiel Schweinezucht), die Praktiken, welche die Tiere an die Haltungen und die Forderungen der Kund_innen anpassen (Beispiel Eberkastration oder Küken nach Geschlecht trennen) oder das Töten, welches einem denkenden, fühlenden Lebewesen das Kostbarste nimmt (Beispiel Fehlbetäubung).

Um den eigenen Konsum nicht hinterfragen oder gar ändern zu müssen, versucht man sich mit allerhand Ausreden zu beruhigen. Man hat ja letztes Weihnachten sogar eine Biogans gekauft. Die hat dann doch sicherlich das Tageslicht gesehen, oder? Und stand auf der Wurst nicht etwas von regional? Dann haben die darin verarbeiteten Tiere vielleicht keinen langen Transport hinter sich. Vielleicht kommen sie von einem kleinen Hof, bei dem die Welt noch ordentlich romantisch ist und ins Werbebild passt?

Zu alledem kommt jetzt noch ein weiteres Feigenblättchen für das Gewissen: die Weideschlachtung. Der Standard berichtet über eine möglichst stressfreie Schlachtung, bei der die Tiere weniger Leid beim Verlust des Angehörigen, des Partners oder der Freunde haben sollen. Lange Transporte sollen den Tieren erspart bleiben. Ebenso eine Fehlbetäubung oder das komplette Ausbleiben selbiger.

Klingt ja toll. Hey, ist doch besser für die Tiere.
Aber wenn wir mal ehrlich sind. Wie toll kann es für denkende, fühlende Lebewesen sein, ihr Leben zu verlieren? Etwas einmaliges, etwas unwiederbringliches und so kostbares, dass man es auch für alles Geld der Welt nicht nachkaufen oder bevorraten kann.

Was immer hinzukommt, ist der Verrat derer, die die Tiere aufgezogen haben, an ihren Schützlingen. Und dazu kommt auch immer noch selbst beim besten Haltungsmangement, bei den kürzesten Transporten oder den angestrengtesten Versuchen, den Stress der Tötung zu reduzieren, die Tatsache, dass ein zumeist sehr junges Tier aus dem Leben gerissen wird.

Egal wie viele Feigenblätter man sammelt. Ein unveganes statt einem veganen Schnitzel oder eine unvegane Wurst statt einer veganen, sind es nicht wert, Tiere töten zu lassen.

Nicht zu vergessen, dass die Weideschlachtung, nur weil sie existiert, nicht eine generelle Situation ist. Sie ist eine winzige Randerscheinung und nahezu 100% aller Produkte, die in Discounter, Metzgerei, Supermarkt, Restaurant, Imbiss, Bäckerei und Kantine erstanden werden, haben garantiert weder zu Lebzeiten Weiden gesehen, noch sind sie rasch und möglichst stress- und schmerzarm auf Weiden getötet wurden.

Um ganz ehrlich zu sein, das Gewissen wird selten die Gelegenheit haben, Urlaub zu machen. Es gibt immer Informations- und Verbesserungspotential. Aber Märchen von “artgerechter Haltung” und “humanem Töten” nicht mehr vorzuschieben und Konsequenzen zu ziehen, ist schon ein grosser Schritt.