Verbrüht, verstümmelt, gequält – So leiden Tiere in Ställen und Schlachthöfen

 

Verbrüht, verstümmelt, gequält – So leiden Tiere in Ställen und Schlachthöfen

Schweine werden lebendig verbrüht, Ferkel ohne Betäubung kastriert, Küken die Schnäbel gekürzt: Viel zu oft müssen Tiere in deutschen Ställen und…

focus.de|Von FOCUS Online

 

Schweine werden lebendig verbrüht, Ferkel ohne Betäubung kastriert, Küken die Schnäbel gekürzt: Viel zu oft müssen Tiere in deutschen Ställen und Schlachthöfen leiden. Was lässt sich dagegen tun? Und gibt es Massentierhaltung ohne Tierquälerei?

Mit einer Art Paternoster-Aufzug fahren die Schweine in die Tiefe. Dort – in der Grube – betäubt Kohlendioxid die Tiere. Bewusstlos kommen sie wieder nach oben, kippen aus der Gondel und werden mit den Hinterbeinen an Haken gehängt. Eine Förderanlage transportiert sie weiter. Schlachter stechen jedem Schwein in die Brust, eines nach dem anderen blutet aus. In großen Schlachthöfen passiert das im Abstand von nur wenigen Sekunden. Hunderte Tiere sterben auf diese Weise innerhalb einer Stunde.

Moderne Schlachtanlagen funktionieren schnell und äußerst effizient. Allerdings häufig nur in der Theorie. Denn in der Praxis kommt es unter dem Druck der Akkordarbeit immer wieder zu Fehlern. Wie die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn am Dienstag der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mitteilte, geraten in Deutschland jedes Jahr rund eine halbe Million Schweine, die eigentlich ausgeblutet und tot sein sollten, lebend und bei Bewusstsein in Brühanlagen.

Panischer Todeskampf im Gas

Doch damit nicht genug. Das Kohlendioxid in der Grube betäubt die Tiere keineswegs angstfrei und schmerzlos. In panischem Todeskampf ringen sie nach Atem und leiden an dem Gefühl, langsam zu ersticken. „Verbrauchern kann man solche Szenen gar nicht zeigen“, bemerkt dazu Klaus Troeger, Institutsleiter am Max Rubner-Institut mit den Forschungsschwerpunkten Fleischhygiene und Schlachttechnologie. „Trotzdem werden 95 Prozent aller deutschen Schlachtschweine mit dieser Methode betäubt“, kritisiert der Experte.

Das Problem ist allerdings: Noch gibt es keine wirklich besseren Alternativen. Was sich allerdings bald ändern könnte. Wissenschaftler am Max Rubner-Institut forschen derzeit daran, Schweine mit Helium zu betäuben. „Nach 15 bis 20 Sekunden fallen die Tiere reaktionslos um“, sagt Troeger. Dies sei das bislang aussichtsreichste Verfahren, um den Schweinen Angst und Stress vor dem Schlachten zu ersparen.

Noch lebende Tiere in der Schlachtung

Nicht besser sieht es bei der Betäubung von Rind und Geflügel aus. Rindern beispielsweise wird ein Bolzen ins Gehirn geschossen, der jedoch nicht immer genau trifft. Und Hühner sollen durch Stromstöße im Wasserbad ihr Bewusstsein verlieren – was jedoch längst nicht immer klappt. „In beiden Fällen arbeiten wir daran, die Zahl der Fehlbetäubungen zu minimieren“, erläutert Troeger.

Außerdem fordert der Experte, in allen Schlachtanlagen Kontrolleure einzusetzen, um zu verhindern, dass noch lebende Tiere verarbeitet werden. Wie das eine EU-Verordnung seit Anfang 2013 eigentlich auch vorschreibt. „Die großen Konzerne sind inzwischen selbst bestrebt, solche Schwachpunkte abzuarbeiten“, sagt Troeger. Denn nicht zuletzt wegen Medienberichten über derartige Missstände seien immer weniger Menschen bereit, Fleisch zu essen.