Tradition verpflichtet … nicht.

 

„Seit mehr als zwei Millionen Jahren tötet der Mensch Tiere, um sie zu essen“, hast du herausgefunden, und jetzt fragst du triumphierend: „Warum sollte ausgerechnet ich, ausgerechnet jetzt, damit aufhören?“

Du solltest damit aufhören, weil es Unrecht ist. Entsetzliches, lebensverachtendes Unrecht. Tiermord hat eine ebenso lange ‚Tradition‘ wie Völkermord, Folter, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und andere menschliche Greueltaten. Die Frage, ob der Mensch etwas ’schon immer‘ tut, ist in keiner Weise relevant für die Beurteilung der Frage, ob es richtig ist. Wenn dein Verhalten vorsätzlich vermeidbares Leid verursacht, ist es moralisch falsch. Ganz einfach. Insbesondere, wenn es zu deinem Verhalten praktikable gewaltfreie Alternativen gibt.

„Aber es machen doch alle“, argumentierst du beleidigt. Ja das stimmt leider. Na und? Wenn fast alle das Falsche tun, macht es die Sache nicht besser. Es verrät uns lediglich etwas über die moralische Verfassung unserer Gesellschaft. Kollektive Gleichgültigkeit ist nichts, was uns imponieren sollte.“

Aber ich esse die Tiere doch nur. Deshalb bin ich doch noch lange kein Tierquäler und schon gar kein Mörder“, sagst du empört. Ja, das stimmt, du bist ’nur‘ der Anstifter. Du bezahlst andere dafür, dass sie den blutigen Teil deines Vergnügens für dich erledigen und in deinem Auftrag morden – ganz diskret, irgendwo im Verborgenen, weit jenseits deiner behaglichen Komfortzone. Doch, auch wenn du die Schreie deiner Opfer nicht hörst, den verzweifelten Todeskampf nicht siehst, dem Gemetzel nicht beiwohnst, heißt das nicht, dass du nicht verantwortlich bist. Die Wahrheit verschwindet nicht dadurch aus der Welt, dass du sie ignorierst.