Ihr Veganer seid ideologisch verblendet!

 

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Die Vorstellung vieler Menschen ist es, dass Veganismus „extrem“ ist, man sich einem strengen Dogma unterwirft. Aus ihnen unerklärlichen Gründen verfällt man dieser „Ideologie“ und muss dann ohne zu Hinterfragen allen Regeln Folge leisten. Das ist natürlich alles Unsinn.
Doch Veganismus ist keine Religion, ist keine Ideologie, kein Trend, keine Diät und enthält in der Tat überhaupt keine Dogmen. Zum einen gibt es „den Veganismus“ nicht. Ich würde nur sagen, dass es lediglich eine „vegane Idee“ gibt. Und diese Idee ist eigentlich keine „vegane Idee“, sondern ein Grundsatz, dem (beinahe) jeder Mensch auf der Erde zu stimmen würde und der sogar im Deutschen Grundgesetz steht: Dass man keinen Tieren Leid zufügen sollte.

Das ist der einzige Grundsatz des Veganismus. Dogma? Nein, viel eher ein universell anerkannter Grundsatz. Und das war’s auch schon! Vegan leben ist von den ethischen Grundsätzen her nichts exotisches. Vegan sein ist keine Ideologie, der der westlichen Tradition völlig fremd ist und allem widerspricht, womit wir aufgewachsen sind. Wer ist der Böse in Bambi? Der Jäger. Wovor muss Schweinchen Babe gerettet werden? Davor, geschlachtet zu werden. Erste Anzeichen einer Psychopathie in Kindern erkennt man daran, dass sie Tiere quälen und töten. Doch wenn jemand diesen in unserer Gesellschaft fest verankerten Grundsatz konsequent lebt, ist dies extrem?
Der Gedanke, dass man Tieren nicht schaden dürfe, ist Teil fast jeder Kultur. Gewisse Spezies genießen auch einen Großteil dessen, was dieser Grundsatz impliziert: Hunde und Katzen werden rechtlich vor Quälerei und Mord geschützt, überhaupt wird dort sogar anerkannt, dass so etwas wie Quälerei und Mord überhaupt möglich ist. Wendet man diese Konzepte aber auf so genannte Nutztiere an, wird sogar geleugnet, dass dies überhaupt möglich sei.
Ich muss dieses Phänomen nicht völlig von Neuem beschreiben, da die amerikanische Psychologin Melanie Joy diese Kognitive Dissonanz bereits benannt hat: Karnismus.1

 

Die wahre Ideologie ist der Konsum von Fleisch

Übersicht

Veganern wird vorgeworfen, sich keine Gedanken über ihr Handeln zu machen und nur blind Dogmen zu verfolgen, einer Ideologie zu folgen, die voller Widersprüche ist. Doch ironischerweise ist es exakt anders herum: Der Karnismus beschreibt eine der dominantesten Ideologien der Menschheitsgeschichte, welche es ermöglicht, sich gleichzeitig gegen Tierquälerei auszusprechen und 56 Milliarden (Land-)Tiere jährlich zu töten. Wie kann es sein, dass die meisten Menschen ihr Leben lang im Karnismus aufwachsen, diesen niemals hinterfragen oder sich Gedanken darüber machen, woher ihr Essen überhaupt kommt und dann denjenigen, die als einzige darüber nachgedacht haben, vorzuwerfen, irrational und dogmatisch zu handeln?

Die meisten Menschen glauben, genug über Veganismus und Tierhaltung zu wissen. Doch sie wissen gar nichts. Ich habe bis vor einigen Jahren Fleisch und andere Tierprodukte konsumiert. Und ich hatte eine Meinung zu Veganismus. Nämlich, dass er Unsinn sei. Aber das war’s auch schon. Mehr Gedanken habe ich mir nicht gemacht. Erst als ich gezwungen wurde, mein Verhalten zu rechtfertigen, musste ich feststellen, dass ihm keinerlei rationale Basis zu Grund lag. Jeder Mensch, der im Karnimus aufwächst, nimmt lediglich an, dass es irgendeine moralische Rechtfertigung gibt, sonst würde es ja nicht jeder machen. Alle Argumente, die die verschiedensten Glieder der Logikkette des Veganismus angreifen (Tiere sind fühlende Wesen – Fühlenden Wesen darf man nicht schaden – Ich vermeide bestmöglich jedes Verhalten, dass fühlenden Lebewesen schadet), sind keine Argumente, sondern allesamt Sophismen oder Fehlschlüsse:

  1. Tiere sind fühlende Wesen. Zum einen sollte einmal festgestellt werden, dass Menschen auch Tiere sind. Eine künstliche Trennung zwischen unserer Spezies und allen anderen, wie sie in fast allen Kulturen üblich ist, führt zu eben solchen Dissonanzen. Zum anderen gibt es keinen Disput darüber, dass Tiere Gefühle haben. Das ist ein Fakt. Jeder, der etwas anderes behauptet, wird die wissenschaftliche und erlebte Faktenlage verlassen.
  2. Fühlenden Wesen darf man nicht schaden. Ein Großteil der Menschen ist der Ansicht, dass man nichtmenschlichen Tieren Schaden zufügen darf. Diese Aussage lässt sich allein aus den jährlichen Schlachtzahlen deduzieren. Sie werden jedoch hinzufügen, dass es dabei strenge Beschränkungen gibt. Dies gelte nicht für alle Tiere (Haustiere VS. „Nutztiere“) und es solle auch so „human“ wie möglich geschehen. Doch dies ist der Versuch, den Schein zu wahren, dass diese Prämisse gilt, ohne sie tatsächlich zu befolgen. Niemand würde diese Aussage als unwahr bezeichnen wollen. Denn zum einen wird kein Mensch der Welt gleichgültig zu sehen, wie sein Haustier vor seinen Augen gefoltert wird und zum anderen schließt die Gruppe „fühlende Wesen“ natürlich auch Menschen mit ein, also muss sie so stehen bleiben.
    Der Karnismus ist der Glaube, dass das Töten und Gefangen Halten von nichtmenschlichen Tieren mit diesem Grundsatz vereinbar ist. Wem das nicht widersprüchlich vorkommt, der solle doch einmal in einem Gedankenexperiment ein „Nutztier“ mit einem Haustier austauschen, oder gleich mit einem Menschen. Wenn die Praktiken bei einem anderen Individuum andere Emotionen auslösen, diese aber zur gleichen Gruppe gehören, liegt eine Kognitive Dissonanz vor. Warum ist es in Ordnung, Schweine in Brühwasser zu werfen, aber Hunde nicht? Kann man Menschen „human“ töten?
  3. Ich vermeide bestmöglich jedes Verhalten, dass fühlenden Lebewesen schadet. Auch hier sollte es keinen Disput geben. Man kann natürlich nicht Schaden vermeiden, von welchem man nicht weiß, dass man ihn verursacht. Ist dieses Wissen jedoch gegeben, wird die Unterlassung einer solchen Handlung zum Imperativ. Und dieser Satz ist einfach eine andere Formulierung für die vegane Lebensweise. Es ist nicht möglich, Tieren nicht zu schaden, wenn man buchstäblich ihre Körperteile verspeist. Als Utilitarist kann man selbstverständlich argumentieren, dass es Situationen gibt, in welchen das Zufügen von Schaden moralisch vertretbar ist. Beispielsweise Notwehr. Jedoch trifft dies auf den Konsum von Tierprodukten in keinster Weise zu.

In keinster Weise ist es heutzutage notwendig, Tiere zu Töten oder in Gefangenschaft zu halten, welches die vielen gesunden Veganer beweisen, die schon jahrzehnte- oder lebenslang vegan leben. Und weil es vielleicht ein unwahrscheinliches Szenario geben könnte, in welchem das Verspeisen eines anderen Lebewesens moralisch gerechtfertig wäre, so kann man daraus keinen Handlungsimperativ für das tägliche Leben ableiten. So könnte man ja auch Kannibalismus rechtfertigen.
Karnismus hat also nichts mit wissenschaftlicher Argumentation zu tun, sondern ist in der Tat eine tief verankete, glaubensbasierte Ideologie. Und genauso wenig wie Atheismus eine Religion ist, ist Veganismus eine Ideologie. Wenn jemand die unhaltbaren Dogmen der dominanten Ideologie ablehnt und darauf verzichtet, in den üblichen Riten und Verhaltensweisen teilzunehmen, weil er die Fehlschlüsse in den Scheinbegründungen erkennt, macht ihn das nicht zum Fanatiker. Ein Veganer lehnt die oben aufgezählten widersprüchlichen Verhaltensweisen ab und lebt das Ideal, für das unsere Gesellschaft eigentlich steht. Und die Art und Weise in der er das dabei tut, ist nicht „extrem“, sondern konsequent. Wir glauben grundsätzlich auch nicht, dass es Interpretationsspielräume für das Nichttötungsverbot (bei menschlichen Tieren) gibt. Niemand wäre der Meinung, dass ein Vergewaltigungsfreier Montag reichen würde.

 

Veganismus vermenschlicht Tiere nicht

Vermenschliche ich Tiere? Mache ich unzulässige Vergleiche, wenn ich Menschen und nichtmenschliche Tiere hier gleichsetze? Nein. Ich vergleiche sie lediglich in ihrer Fähigkeit, Emotionen wie Leid oder Freude zu empfinden. Wir sind alle empfindsame Wesen. Warum nur für den Menschen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit abgeleitet wurde, ist ein Zeichen von Speziesismus. Dies ist ein Begriff, den der Philosoph Peter Singer geprägt hat.2 Ebenso wie es Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Sexualität, Klasse, Alter und Fähigkeiten gibt, gibt es selbstverständlich auch eine Diskriminierung aufgrund der Spezies.
Veganismus ist in keinster Weise widersprüchlich, denn er besteht nunmal lediglich aus diesem einen Grundsatz. Kritiker würden darauf hinweisen, dass man niemals so leben könnte, ohne einem anderen fühlenden Lebewesen zu schaden (Feldmäuse, die bei der Ernte sterben) oder dass Pflanzen ebenfalls fühlende Lebewesen sind. Doch ersteres ist eine „Nirwana Fallacy“, also ein logischer Fehlschluss, der die realistisch erreichbaren Zustände mit unrealistischen Idealzuständen vergleicht. „Ich vermeide bestmöglich jedes Verhalten, dass fühlenden Lebewesen schadet.“

Und letzteres ist erstens nicht richtig, denn Pflanzen haben kein zentrales Nervensystem und zweitens selbst wenn dem so wäre, dann wäre Veganismus immer noch die Variante mit weniger Leiderzeugung, da man ja für die Tierhaltung eine vielfach größere Menge an Pflanzen als Futtermittel töten muss und somit mit einer veganen Lebensweise auch viel mehr Pflanzenleben verschont, zusätzlich zu den tierlichen, von welchen gesichert ist, dass diese empfindsame Lebewesen sind. Ausführlicher wird das in diesem Video erklärt.

Ansonsten gilt der Grundsatz: Musste für dieses Produkt ein empfindsames Lebewesen leiden? Ist die Antwort ja, dann ist es moralisch nicht vertretbar, es zu konsumieren. Das war’s. Kein Hokuspokus, keine komplizierten Regeln, keine Ideologie. Nur simpelste moralische Grundlage. Gerne kann man an dieser Stelle irgendwelche Gedankenexperimente anstellen, die unmögliche moralische Zwickmühlen konstruieren, in welchen man sich zB. zwischen dem Leben eines Menschen und eines Hundes entscheiden müsste und man nur einen retten könnte. Doch solche abstrakten Experimente sind völlig irrelevant, da, selbst wenn man darauf eine Antwort geben könnte, diese entweder nie eintreffen, nicht eintreffen können oder man in so einer Situation sowieso nicht rational entscheiden würde.

Ich hätte da ein anderes moralisches Experiment: Was wäre, wenn dir jemand anbieten würde, Milliarden Tiere für dich zu zu töten, damit du etwas essen kannst, was du nicht zwingend zum Überleben brauchst und das darüber hinaus noch eine der Hauptursachen für den Klimawandel ist?
Die meisten Menschen leben in der Ideologie des Karnismus und sich dessen nicht einmal bewusst. Deshalb fühlt sich ein Veganer, dem man vorwirft, einer Ideologie verfallen zu sein, wie ein Atheist, welcher von einem Gläubigen als religiöser Fanatiker beschimpft wird.

 

Fleisch Essen ist erlernt

Karnismus ist auf jeden Fall erlernt, das beweisen inzwischen einige psychologische Studien. Wenn man einem Kleinkind einen Apfel und ein Kaninchen in die Krippe legen würde: Welches für es essen und mit welchem würde es spielen? Ich selbst habe schon in einigen Schulen Vorträge über Veganismus gehalten. Ich zeigte den Kindern ein Bild eines Schweines, gab ihnen einen Namen und erzählte Ihnen von seinem Leiden. Und dann fragte ich sie, ob sie das Schwein retten würden, wenn sie könnten. Noch nie hat ein Kind „Nein“ gesagt. Und als ich fragte, wieso, haben sie mir stets Dinge gesagt wie: „Jedes Tier hat ein Recht darauf zu leben“ oder „Alle Tiere sollten frei sein“. Und in der Mittagspause aßen sie die Wurstbrote, die ihnen ihre Eltern eingepackt hatten. Ohne jemals zu wissen, wen sie eigentlich essen.
Zwingen vegane Eltern ihren Kindern eine Ideologie auf, wenn sie sie über die Hintergründe einiger Dinge aufklären, die wir als Nahrungsmittel bezeichnen? Wenn sich ein Karnist von der bloßen Anwesenheit eines Veganers angegriffen fühlt, dann einfach aus dem Grund, weil der Veganer die ständige Erinnerung darstellt, dass man selbst eine Lüge lebt. Eine Lüge, die jeder am liebsten Totschweigen möchte. Dafür wird keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, um den Boten der Aufklärung zu diffamieren, seine Qualifikation und Motive in Frage zu stellen, jeder noch so lächerliche Sophismus wird verzweifelt herangezogen, um seine unhaltbare Position zu verteidigen.

 

Veganismus verhält sich zu Fleischessen wie Atheismus zur Religion

Veganern wird stets vorgeworfen, arrogant zu sein. Ihre Position nicht zu hinterfragen. Die größte Unverschämtheit dabei ist, dass das von genau jenen Leuten kommt, die eben genau das nicht getan haben. Man ist sich so selbstsicher, so verblendet von der Ideologie des Karnismus, dass man nicht einmal auf den Gedanken kommt, dass man vielleicht Unrecht hat. Veganer hinterfragen sich die ganze Zeit. Das ist genau der Grund wieso die meisten von uns vegan geworden sind!

Die wenigsten von uns waren sofort begeistert von der veganen Idee. Wir haben auch nach Gründen gesucht, wieso Veganismus Unsinn sei. Wir haben uns eure ganzen Scheinargumente alle selbst schon gefragt. Jeden Tag hört man ein „Gegenargument“, jeden Tag muss man sich rechtfertigen. Das Schwierigste am Vegan leben, ist mit dem Unverständnis, der Ablehnung und manchmal dem völlig unbegründeten Hass der anderen Menschen klar zu kommen. Für einen Verrückten gehalten zu werden, wenn man doch nichts weiter möchte, als ein besserer Mensch zu sein als man vorher war.
Ich werde mir nicht anhören lassen, dass ich ein Fanatiker sei, von Menschen, die ein Urteil über etwas fällen, von dem sie keine Ahnung haben und die einfach das schlucken, was ihnen die Gesellschaft zum Fressen vorwirft. Sie essen Leichenteile, sind aber beleidigt, wenn man diese so nennt. Sie haben eine eigene euphemistische Sprache entwickelt, die einen künstlichen Unterschied macht zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren. Da wird „Mord“ zum „Schlachten“ und ein Lebewesen zu einem Lebensmittel.
Was ist mehr eine Religion? Der Gedanke, dass alle in Frieden und Freiheit leben sollen oder die Praxis, dass jährlich 56 Milliarden (Land)Tiere für eine Ideologie sterben müssen, die auf Tradition und Verdrängung besteht?