Fleischesser fühlen sich von Veganern notorisch diskriminiert und fordern deshalb gerne, oft und lautstark mehr Toleranz.

 

Armin Rohm

Fleischesser fühlen sich von Veganern notorisch diskriminiert und fordern deshalb gerne, oft und lautstark mehr Toleranz. Schließlich ist es Fleischessern ja auch völlig Wurst, was Veganer essen. Sie hätten deshalb kein Recht, ihnen ständig ‚ihr‘ wohlverdientes Fleisch madig zu machen. Klare Ansage.

Dazu ein paar Gedanken …

1.)
Es ist leider nicht EUER Fleisch, worüber wir hier reden, sondern das Fleisch wehrloser, sinnlos ermordeter LEBEwesen. Es ist das Fleisch von Tierkindern, die leben, lieben, Spaß haben und glücklich sein wollten. Genau wie ihr. Mit demselben Recht.

2.)
Toleranz würde bedeuten ‚dulden‘ oder ‚gewähren lassen‘. Das ist schon verdammt viel verlangt angesichts des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit. Jeder, der gegenüber eurem Gemetzel ‚Toleranz‘ zeigt, stellt sich automatisch auf die Seite des Unrechts, macht sich selbst schuldig und beschmutzt die eigene Seele mit Blut.

3.)
Es gibt da neben euch Fleischessern und uns Veganern eben noch eine dritte Partei, die berechtigte Erwartungen an unser Verhalten hat. Die Art ‚Toleranz‘, die ihr euch von den Veganern wünscht, würde diese dritte Partei aus ihrer Perspektive zurecht Zynismus und Verrat nennen. Es müsste doch eigentlich klar sein, dass das keine akzeptable Option für uns sein kann.

4.)
Bevor ihr eure eigene Toleranz feiert, dürft ihr gerne erstmal den Unterschied zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit recherchieren. Dass euch das Leben und Leiden anderer schlicht EGAL ist, hat nichts Edles, sondern ist vielmehr das tragische Resultat massiver emotionaler Verarmung.

5.)
Toleranz ist meist eine selbstbewusste Geste der gesellschaftlichen Mehrheit gegenüber Minderheiten. Sie entspringt einer Position innerer Stärke. Toleranz ist Ausdruck von Gelassenheit und der Gewissheit, selbst in Übereinstimmung mit den kollektiv dominanten, akzeptierten Werten zu handeln. Wenn ihr bei einem Bevökerungsanteil von gerade mal einem Prozent Veganern derart beunruhigt seid, dass IHR glaubt, Toleranz gegenüber eurer gesellschaftliche ‚Norm‘ einfordern zu müssen, dann könnt ihr mal prüfen, wie sicher ihr euch eigentlich SELBST noch seid, das Richtige zu tun. Es könnte sein, dass ihr längst ahnt, dass bald eine ganz neue Geschichte geschrieben wird, in der Ignoranz und Gewalt keinen Platz mehr haben werden.


 

Wie zeigt sich das bei veganen Tierrechtlern? In welchen Äusserungen wird die alltägliche Feigheit, die Ignoranz und / oder Toleranz gegenüber den Tätern sichtbar? Einige Beispiele:

Wir sollten „keinen missionieren“, denn jeder muss ja „selbst wissen was er isst“. (Ist es wirklich Privatsache, Tiere auszubeuten, zu quälen und hinrichten zu lassen, hungernde Kinder umzubringen und die Umwelt zu ruinieren?)

Wir sollten Verständnis zeigen, wenn die Fleisch- und Milchkonsumenten sagen, dass sie „noch nicht so weit sind“, ganz auf den Käse zu verzichten. (Nur ein dekadenter Wohlstandsbürger kommt überhaupt auf die Idee zu äussern, dass er noch nicht so weit sei, auf Verbrechen zu verzichten!)

Wir sollten nicht sagen, dass sie ein Verbrechen begehen. Damit würden wir den Fleisch- und Eierkonsumenten als zu „extrem“ und zu „radikal“ erscheinen und sie verärgern. (Wie sollen die Täter denn verstehen, dass sie Verbrechen begehen, wenn man ihnen es nicht klar und deutlich sagt?)

Wir sollten sie „loben“, wenn sie sagen, dass sie bereits „weniger Fleisch essen“ bzw. wenn sie „langsam Schritt für Schritt weniger essen“. (Lobt man auch den Hausherrn bei häuslicher Gewalt, wenn er Frau und Kinder weniger bzw. nur noch einmal in der Woche schlägt?)

Wir sollten sie „loben“, wenn sie nur noch „bewusst“ ermordete Biotiere essen, von denen sie „wissen, wo sie herkommen“. (Wenn ein Mensch ein vermeintlich besseres Leben hatte und man weiss wo er herkommt, rechtfertigt dies ein Verbrechen an ihm? Wie absurd ist das denn?)

Und wir sollten einen „fleischfreien Montag“ einführen und die Flexitarier für diese Grosstat loben! (6 Tage Verbrechen und ein Tag normales Verhalten sollen eine Grosstat darstellen?)

Wenn man nicht den Mut hat, etwas gegen die Verbrechen zu sagen, so sollte man besser ganz still sein, als die Verbrechen zu loben! Denn auch weniger Verbrechen und schön verpackte Verbrechen bleiben Verbrechen. Und wenn man diese mit den obigen Argumenten toleriert oder sogar lobt, werden wird man schuldig. „Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt.“ – Thomas Mann (Literatur-Nobelpreisträger)