Fanta-Vier-Manager Bär Läsker: „Wir stehen vor der Apokalypse“

 

Er wog 160 Kilo. Dann entschied sich Bär Läsker, der Manager der Band „Die Fantastischen Vier“ zu einem radikalen Schritt: Er wollte fortan ohne Fleisch, Eier und Milch leben. Heute ist er nicht nur 45 Kilo leichter – sondern auch um einige Überzeugungen reicher.

Im Interview mit der Huffington Post erklärt der Mann, der im nächsten Jahr seine erste vegane Fast-Food-Kette eröffnet, warum Veganer nicht nur die gesünderen – sondern auch die besseren Menschen sind.

Früher hast du viel Fleisch gegessen. Was ist passiert?

Bär Läsker: Es hat irgendwann Klick gemacht hat. Ich habe verstanden, dass Veganismus die gesündeste, schuldbefreiteste, verantwortlichste und zeitgemäßeste Ernährung ist.

Gab es einschneidendes Erlebnis, dass alles geändert hat?

Ich habe Bücher gelesen, die mich beeindruckt haben – zum Beispiel „The China Study“ von T. Colin Campbell. Das hat mir gezeigt: Wenn man nur einen Funken Empathie besitzt, will man für das, was wir dem Planeten und den Tieren antun, irgendwann nicht mehr mitverantwortlich sein. Und auch dafür, was man mit tierischen Produkten dem eigenen Körper antut.

Fleischesser dürften diese Aussagen auf die Palme bringen.

Es gibt viele Gründe, vegan zu leben: Veganer fühlen sich körperlich und geistig besser. Sie haben einen schärferen Verstand. Und sie haben zwei Schultern, auf denen keine Schuld lastet. Fleischesser sollen aufhören, dagegen zu halten, sondern auf die Fakten schauen: Wir haben viele Dinge lange getan und dann aufgehört. Genauso werden wir auch aufhören, Tiere zu töten und Fleisch zu essen. Das ist definitiv so. In 30 oder 40 Jahren wird das alles kein Thema mehr sein.

Das ist eine steile Prognose. Was passiert denn, wenn sich nichts ändert?

Dann sind wir tot – zumindest ein Großteil von uns. Aber es wird sich etwas ändern, ganz sicher. In 30 Jahren wird uns das Fleisch, die Atemluft und das Wasser ausgegangen sein. Und die Schuld dafür tragen wir.

Jetzt leben wir alle glücklicherweise noch. Wie fühlt sich das an, wenn du in einem Restaurant sitzt während andere Gäste ein blutiges Steak verspeisen?

Das macht mich wütend. Aber ich kann auch nicht den ganzen Tag Leute mit „Du bist ein Arschloch!“ anschreien. Außerdem gehe ich selten mit Leuten essen, die sich Fleischberge reinhauen. Viele Freunde fühlen sich auch unwohl und sagen: „Wenn der Veganer dabei ist, dann esse ich eben Nudeln.“ Und ich versuche die Leute dabei mit Fakten zu überzeugen. Denn Fleisch ist ökologisch und ethisch einfach Quatsch.

Genau solche Aussagen führen dazu, dass Veganer oft als nervige Fundamentalisten wahrgenommen werden.

Eine Gesellschaft, die das Worte „Gutmensch“ als Schimpfwort benutzt, sollte dringend ihre Wertevorstellung überprüfen. „Gutmensch“ bedeutet guter Mensch. Wir Veganer werden aber als lästige Klo-Fliegen dargestellt, die nur rumnerven. Aber wenn jetzt auch noch Veganer aufhören zu nerven, wer soll es dann tun? Auf dem Planeten läuft alles schief. Wir rennen in die Apokalypse – dafür muss man kein Philosoph oder Wissenschaftler sein, sondern einfach nur die Fakten anschauen. Die zeigen: Uns wird das Wasser, der Sauerstoff und das Öl ausgehen.

Veganismus wird auch oft mit Religion verglichen.

Ja, das ist eine Abwehrhaltung. Fleischesser versuchen, Veganer zu diffamieren, weil auch sie die Fakten nicht ignorieren können. Es ist ein Schutzschild, um sich nicht mit dem eigenen schlechten Gewissen auseinandersetzen zu müssen. Denn jeder weiß, dass ein Tier dafür sterben musste, das ist keine freiwillige Organspende. Auch dieses Gesabbel vom „Metzger des Vertrauens“ ist Schwachsinn.

Was kann man an den Ernährungsgewohnheiten über unsere Gesellschaft lernen?

Wir sind total geizig. Denn wir sind das reichste Land Europas, aber geben am wenigsten Geld für Essen aus. Die Deutschen beschweren sich schon, wenn das Schnitzel 5,50 Euro kostet. Obwohl sie so viel verdienen, wie nie zuvor.

Unsere Ernährungsgewohnheiten sind sicher ausbaufähig. Welche Rolle spielt die Politik?

Die Politiker müssen endlich aufhören, den Menschen zu erzählen, dass sie Milch und Eier brauchen. Das ist Schwachsinn, denn es schadet unserer Gesundheit und der Umwelt massiv. Unser Ernährungsminister muss aufklären und nicht Fakten verschleiern. Er muss helfen, die Menschen von ihrer Fleischsucht zu entwöhnen. Wenn er das nicht tut, fängt er an, seine Wähler zu bescheißen. Das ist Betrug.

Gerade das prangern viele Menschen derzeit an. Sie fühlen sich von der Politik und Medien belogen. Was fühlst du, wenn du heute auf Deutschland blickst?

Das deutsche Volk verblödet. In Lichtgeschwindigkeit. Gerade die Deutschen sagen, dass sie in einer Innovationsgesellschaft leben. Tatsächlich leben wir aber in einer Denunziationsgesellschaft. Das ist sehr schade, weil wir eigentlich was drauf haben.

http://www.huffingtonpost.de/2015/12/07/interview-andreas-baer-laesker_n_8719188.html