Seaworld beendet Orca-Shows

 

Die Kampagnen zeigen Wirkung

Nächstes Jahr ist es vorbei. Der US-Freizeitpark SeaWorld beendet seine umstrittene Show mit Orcas. Unternehmenschef Joel Manby teilte mit, dass die „One Ocean“-Vorführung im kalifornischen San Diego nur noch bis Ende 2016 zu sehen sind. Gleichzeitig stellte er eine neue Strategie vor, mit der er das Image der Freizeitparks verbessern will.

Die Richtungsänderung dürfte keinen tierschützerischen Grund von Seiten Seaworld haben. Das Unternehmen wurde von den Tierschützern in die Knie gezwungen, und kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Der Wert des Milliarden-Imperiums „Seaworld“ hat sich durch die ständigen Attacken und Kampagnen seitens der Tierschützer halbiert.

Wie der Verbleib der Orcas, die nicht mehr ausgewildert werden können, endgültig gestaltet wird, teilte das Unternehmen nicht mit. Die Entscheidung des Branchenriesen, die Orca-Shows einzustellen, wird aber Signalwirkung auf alle Delfinarien – vor allem die geplanten – haben. Der Druck auf die Delfinarien muss sich weiter erhöhen, die Ticketverkäufe weiter schrumpfen, dann wird man das Delfinariengeschäft völlig zum Einsturz bringen können.

Hier geht’s zum Originalbericht
http://www.spiegel.de/…/seaworld-in-san-diego-will-bis-ende…

 

Seaworld beendet Orca Shows
Ist das nun ein Erfolg oder nicht?

Natürlich ist es ein Erfolg!!!!!
Kaum war die Erfolgsmeldung von der Beendigung der Orca-Shows bei Seaworld veröffentlicht, schon kamen die Einwände der „Ja, aber…“ Fraktion. Vielleicht wäre es für diese Protagonisten, die in der Regel an allem herumzunörgeln hat, ab und zu besser, sich einfach zu informieren, worum es überhaupt geht. Deshalb erklärt RTN den Hintergrund, die Zusammenhänge und die Auswirkungen der Seaworld-Ankündigung: „Ab 2017 gibt es keine Orca Shows mehr“.

Wie bekannt sein dürfte, geht es momentan um den Seaworld Park in San Diego mit 11 Orcas. Ob und wie es ausgedehnt wird, hängt in erster Linie vom strategischen Vorgehen der Tierschützer ab. Chancen bestehen, weil die Zusammenarbeit der Tierschützer in den USA professioneller und geschlossener ist als in Deutschland.

Was ist Seaworld eigentlich?
Seaworld ist kein Wanderzirkus á la Circus Hopsasa, den man mit einer kleinen Mahnwache das Wasser abgraben kann. Seaworld ist eine Aktiengesellschaft (derzeitiger Wert ca 1,5 Milliarden US-Dollar) und gehört zu 100% der Investmentgesellschaft „Blackstone“. Hinter Blackstone steckt ein Anlagekapital von ca. 300 Milliarden US-Dollar. Um es klar auszudrücken, diese Leute interessieren weder Emotionen, Empathie, Haltungsbedingungen noch rosarote Tierschutzbrillen. Tiere sind für sie ein Anlagevermögen. Es geht um Profit, Aktienkurse, Dividenden und sonst gar nichts. Machern aus dieser Szene ist auch völlig egal, ob hunderte oder tausende Demonstranten vor den Toren stehen. So lange sie Tickets verkaufen und Geld verdienen, ist die Welt für sie in Ordnung.

Wie kam es überhaupt zu diesem Entschluss?
Nach jahrelangen Protesten, die nichts bewirkt hatten, enthüllte der Dokumentarfilm „Blackfish“ den brutalen Umgang mit den Tieren. Das löste die eigentliche Protestwelle aus, der sich viele Promis anschlossen. Besonders getroffen wurde Seaworld als erfolgreicher Konzertveranstalter von den Absagen namhafter Künstler, die sich nach den Enthüllungen weigerten, auf Seaworld Bühnen aufzutreten.

Warum kann man die Orca-Shows nicht früher beenden?
Unternehmen wie Seaworld haben langfristige Verträge mit Reiseunternehmen. Millionen von Prospekten, Katalogen und Websites werben für die Orca-Show. Würde Seaworld die Show kurzfristig aus dem Programm nehmen, kämen Schadenersatzklagen in Millionenhöhe. Besucher bräuchten nur anzugeben, dass sie nur wegen der Orca-Show angereist seien, schon könnten sie Schadenersatz verlangen. In den USA kann das schnell in die Millionen gehen.

Was wollen die Tierschützer eigentlich?
Das ist die Frage aller Fragen. Vor allem, ist das überhaupt umsetzbar, was sie wollen? Ideologien mit absolutistischen Vorstellungen, die gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch niemals umzusetzen sind, nützen den Tieren nämlich überhaupt nichts. Für die Tierwelt sind Etappenerfolge, wie jetzt gegen Seaworld, viel sinnvoller als Illusionen. Das erste Ziel zum Thema Delfinarien muss die Verhinderung neuer Anlagen sein. Das zweite Ziel ist die Schließung aller bestehenden Delfinarien, wobei auch dann klar sein muss, dass viele Tiere bis an ihr Lebensende in den Becken bleiben werden. Manche haben tatsächlich die Vorstellung, dass man die eingesperrten Tiere einfach in die Ozeane entlassen kann. Das funktioniert zu mindestens 90% nicht. Diese Tiere sind in freier Wildbahn nicht lebensfähig. Man kann sie nicht auswildern. Die Traumlösung wären Meeres-Sanctuarys. Da es aber nicht genügend Einrichtungen gibt, bleibt gar nichts anderes übrig, als die Tiere bis zu ihrem Lebensende in Becken zu halten. Nicht nur der Neubau von Meeres-Sanctuarys, sondern auch die Haltung der Tiere – sowohl im Freien als auch in Becken – muss aber finanziert werden. Das wäre doch eine Aufgabe für die „Ja, aber ….“-Fraktion. Was soll also mit den 11 Orcas gemacht werden? Der Bau eines Sanctuarys und die Haltung kosten Millionen. Abgesehen davon, dass die Orcas Eigentum von Seaworld sind, und für einen Millionenbetrag erst auch noch abgekauft werden müssten. Finanzieren die „Ja, aber ….“ Aktivisten das? In Deutschland käme man zu dieser Überlegung erst gar nicht. Das Projekt würde schon an der Grundsatzdiskussion „Wie kann man Orcas vegan ernähren?“ scheitern. Also bleibt doch gar nichts anderes übrig, als für die 11 Orcas ein Agreement mit Seaworld einzugehen. Das weiß Seaworld natürlich, die sind doch nicht dumm. Also haben sie gleich im Voraus den noch nicht näher definierten Vorschlag mit der „artgerechteren Verwendung“ gemacht. Wie der aussieht wissen wir noch nicht, aber jede Verbesserung der Lebensbedingungen ist zum Vorteil für die Tiere.

Ist das nun ein Erfolg oder nicht?
Natürlich ist es ein Erfolg, und die Tierschützer können stolz darauf sein. Es geht doch um viel mehr als den Vorgang in San Diego. Wie schon erklärt, hinter Seaworld steht ein Milliardenkapital. Auch Seaworld selbst ist börsennotiert. Mit der Ankündigung der Beendigung der Orca-Shows haben ALLE Finanzanalysten dieser Welt registriert, dass der Leitbulle aller Delfinarien mit seinem Kerngeschäft „Orca-Show“ in die roten Zahlen gefahren ist. Nicht nur das. Er hat den Konzern inklusive Konzertveranstaltungen und anderen Aktivitäten in den freien Fall gerissen. Erschwerend kommt hinzu, dass Seaworld wegen des öffentlichen, weltweiten Drucks kapitulieren musste. Es handelt sich also nicht um ein lokales Problem. Im Kapitalmarkt ist das ein Supergau. Kein Fond, kein Investor und keine Bank mit „sauberem“ Geld will sich mit der Finanzierung neuer Delfinarien die Finger verbrennen. Sogar der Nachkauf von Delfinen und Orcas wird für viele Delfinarien mit schwacher Kapitaldecke zur Problemfinanzierung. Wenn überhaupt, dann läuft es risikobedingten nur zu überhöhten, unwirtschaftlichen Konditionen ab.

Was ist noch passiert?
Die Meldung, dass Seaworld die Show aufgibt, ging mit der Message „Orca-Haltung ist Tierquälerei“ weltweit durch alle Nachrichtensendungen und Leitmedien. Das war eine globale PR-Kampagne für den Stellenwert der Tiere, die Milliarden Menschen erreichte. Hätte man das finanzieren müssen, es hätte zig Millionen gekostet. Vermutlich wären alle Tierschutzorganisationen zusammen mit dieser Summe überfordert gewesen.

Wie geht man weiter gegen Seaworld vor?
Nicht anders als bisher. Gegen einen rein zahlenmäßig gesteuerten Konzern wie Seaworld gewinnt man nicht mit emotionalen Argumenten oder Tierschutzparolen. Es funktioniert nur über das Image und den Ticketverkauf, also über den Faktor Geld. Der Wert von Seaworld hat sich durch den Druck der Tierschützer halbiert. Das Unternehmen kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Natürlich wird Seaworld Tricks versuchen, um aus der Misere zu kommen. Das ist so selbstverständlich, dass es gar nicht wert ist, darüber zu diskutieren. Darauf wirft man jetzt eben ein besonderes Auge. Sollte Seaworld zu tricksen versuchen, nimmt man genau das als Hebel und nagelt Seaworld als Betrüger an den öffentlichen Pranger.

Wie geht es im Kampf gegen Delfinarien weiter
Solange die Politik nicht mitzieht, ist der einzige Weg eine weitere Image-Schädigung des Geschäftsmodells „Delfinarien“ und die daraus resultierende Reduzierung der Ticketverkäufe. Das Ziel muss sein „Delfinarien dürfen sich nicht mehr rentieren“. Das hat zur Folge, dass zuerst keine Tiere mehr nachgekauft werden. Im nächsten Schritt werden die Delfinarien aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Alles andere sind Träumereien.