Der Mensch sieht die „froh lächelnde“ Kuh als Burger, das „jauchzende“ Schwein als Schinken, das „glücklich grienende“ Huhn als „Braten“.

Vorne in die Fleischproduktionsanlage hineingeschoben, kommt es hinten in versiegelter, eingeschweißter Verpackung wieder heraus.

Was dazwischen liegt, ist für den Verbraucher, obwohl bekannt, nicht von Interesse.
Kollektives Wegsehen, kollektives „Nicht – wissen – wollen“, kollektives, moralisches Versagen ist wohl die verbreitetste Haltung dem Tier gegenüber, die flächendeckend praktiziert wird.

Das Tier als seelenloser Gebärautomat, Milchautomat, Eierautomat, Fleischautomat, Organautomat, das sich, wie z.B. auf Tiertransportern oft abgebildet, im Liegestuhl wälzt, mit Sonnenbrille und guter Laune, und sich freut, geschlachtet zu werden, das sich freut, von uns Menschen einverleibt zu werden, das sich freut, nur einem einzigen Zwecke zu dienen:
In kürzester „Lebenszeit“ vernichtet zu werden und als totes Stück Fleisch in einem Kühlschrank zu landen.

Doch, es gibt kein „humanes“ Schlachten, kein „schönes“ Sterben, keinen „fröhlichen“ Tod, kein „Totstreicheln“ und kein Lebewesen will in ein Bündel voller Schmerzen und stummer Verzweiflung verwandelt werden, egal ob „konventionell“ oder „bio“.

Tot ist tot!

Die Empathiestörung, die in der Beziehung des Menschen zum Tier zum Ausdruck kommt, ist längst Kennzeichen der gesamten menschlichen Zivilisation, denn die nichtmenschlichen Lebewesen werden als „Tiere“ verachtet, verfolgt, getötet und nicht als Mitlebewesen betrachtet.

Die Abspaltung des Menschen den „anderen“ Lebewesen dieser Erde gegenüber, ihren Ausschluss, ihre tagtägliche Entfernung aus dem Universum der mitfühlenden Sorge und Verantwortung hat immense psychologische, ethische und gesellschaftspolitische Folgen.

Seit langem besteht dieser Komplex, indem wir leben, aus einer Ansammlung von komplizenhaften Zusammenschlüssen, deren oft einzige Übereinkunft darin zu bestehen scheint, eine gemeinsame Abwehr, eine gegenseitige Deckung aufrechtzuerhalten, die da heißt: „Täuschung“, „So-tun-als-ob“ und „Was nicht sein kann, dass nicht sein darf!“

Mittendrin der willfährige Verbraucher, als der traurige Ausdruck einer „Alltagsfunktion“, der Unerwünschtes, Dissonantes nicht verarbeitet, sondern für immer in Parallelwelten abstellt und dort (scheinbar) vergisst; der als Spielball fungiert, die bizarren Phrasen der Industrie nachplappert, sich auf die Seite der Ausbeuter stellt und gegen die Menschen mobil macht (gemacht wird), die das Spiel durchschauen und nicht mehr länger Teil des Ganzen sein wollen.

Die „Aussteiger“ sind sich der Tabuverletzung gegenüber den Tieren bewusst.
Sie wissen, dass das vermeintliche „Recht“ des Menschen, Tiere essen zu dürfen, nur „weil es schmeckt“ (die perfideste und traurigste, als „Argument“ getarnte Ausrede) nicht zählt.

Sie machen sich Sorgen um die Tiere, um die Zukunft, um die Gesundheit und um die Umwelt.

Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in der wir leben, basierend auf einer grundlegenden Unzufriedenheit dem Bestehenden Gegenüber:
Der „Ökonomisierung“ des Lebens und der brutalen Profitorientierung – und maximierung, stellen immer mehr Menschen die herkömmliche Lebensweise mit all ihren gleichgültigen und grausamen Gewohnheiten in Frage.

Und neben uns stehen die Tiere im Schatten, die als Automaten gezüchtet und ebenso behandelt werden.

Und warten.
Auf uns.
Täglich.
Millionenfach.

Wir sollten sie endlich ins Licht hinaus geleiten, denn sie sind ein Teil von uns und wir sind ein Teil von ihnen.

Vor allem sollten wir die Menschen schätzen, die hinter die Maske blicken und uns mit der unbequemen Realität konfrontieren, uns den Spiegel vorhalten.
Denn durch sie bekommen wir die Puzzleteile zurück, die uns auf dem langen Weg der antrainierten Gleichgültigkeit verloren gegangen sind.

Auch wenn es schmerzhaft ist, lohnt es sich.
Denn es ist ziemlich befreiend, einen Schritt voran zu gehen, bedingungslos zu sich selbst zu stehen, die innere Trennung zu überwinden und das Spiel der Ausbeuter, die zigmillionenfaches Leid verursachen, abzulehnen.

Eine moralische Integrität für uns selbst und unsere Mitgeschöpfe entwickeln…
Was gibt es Schöneres?