Sojaschnitzel? Dafür stirbt doch Regenwald?

 

Sojaschnitzel? Dafür stirbt doch Regenwald?

“Weißt du nicht, dass für dein Sojaschnitzel Urwald stirbt? Da ess ich lieber Fleisch… natürlich nur aus der Region!” Wenn ich diese Aussage von Bekannten höre, verschlägt es mir immer erstmal die Sprache. Ich denke: Meinen die das gerade ernst? Doch ihr Blick verrät eindeutig: JA.

Meist muss ich sie dann bitter enttäuschen, wenn ich sie frage, was denn z.B. das Rind zu fressen bekommt: “Na, Gras natürlich, davon können wir uns ja nicht ernähren, deshalb ist das ja die beste landwirtliche Nutzung unserer Flächen.” Doch mein Studium (Tiermedizin) hat mir gelehrt, dass Rinder zwar AUCH Gras und Heu fressen, das aber längst nicht ausreicht, den Proteinbedarf für das schnelle Wachstum der Tiere zu decken. Das Protein stammt seit der BSE-Krise nicht mehr aus Tiermehlen, sondern meist aus eben diesem Soja, dass zu großen Teilen aus den Regenwaldregionen kommt. Aus verschieden Quellen lässt sich ableiten, dass 85-95% des weltweiten Sojas an Tiere verfüttert und gerade mal 2% zu Tofu, Sojaschnitzel, Sojamilch und Co. verarbeitet werden. Das Soja für Letztere wird in Deutschland meist aus europäischen Quellen bezogen, im Großteil sogar aus biologischem Anbau.

Die zweite Sache, die ich in diesem Zusammenhang häufig höre: “Hast du nicht Angst vor genmanipuliertem Soja?” Dazu kann ich sagen, dass das Soja, das direkt für die menschliche Ernährung gedacht ist, nicht genmanipuliert sein darf. Für die Fütterung der Tiere gilt diese Regelung hingegen nicht.

Wenn ihr euch also ernsthaft Sorgen um den Regenwald macht, würde ich an eurer Stelle auf Fleisch und Co. verzichten!

Die Fakten:

  • 1 kg Sojabohnen kann zu 2 kg Tofu verarbeitet werden, als Kraftfutter in der Schweinemast eingesetzt aber nur zu gerade mal 300 Gramm Schweinefleisch.
  • Um den Sojabedarf für heimische “Nutztiere” zu decken, müssten auf rund 2 1/2 Millionen Hektar Acker in Deutschland Sojabohnen wachsen. Im Moment sind es nur ein paar tausende Hektar.
  • 80% des verfütterten Sojas kommt daher aus Südamerika, wo Regenwald für “Nutztiere” – ja auch die in Deutschland – sterben muss. Mehrere Millionen Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot.
  • In Brasilien gelten nach Angaben des Zertifizierungsspezialisten Cert-ID mehr als drei Viertel der angebauten Mengen als gentechnisch verändert.
  • Soja wächst hauptsächlich in Brasilien, Argentinien und Paraguay auf Flächen, wo früher Regenwald oder Savanne war. Die Fläche, auf der Futter-Soja nur für die EU wächst, ist so groß wie ein Drittel Deutschlands.
  • Der Tofu-Spezialist Taifun hat inzwischen rund 100 Landwirte unter Vertrag, die exklusiv für ihn Soja in Deutschland, Österreich und Frankreich anbauen. Reicht das nicht aus, importiert Taifun Bio-Soja aus den wenigen, gentechnikfreien Regionen Brasiliens und aus Kanada.
  • Nur 2% der weltweiten Sojaproduktion wird zu Tofu, Sojafleisch, Sojamilch und Co. verarbeitet, der Großteil davon stammt von europäischen Feldern!

Probiert doch mal rein pflanzliche (vegane) Lebensmittel – für Tier, Mensch, Natur und euch! Es muss ja nicht Soja sein, selbst wenn dieses nichts mit der Regenwaldvernichtung zu tun hat!