Newsflash aus Straßburg / 09.09.2015

Thema Streunerhunde in Rumänien: Persönliches Treffen mit EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis

Am 09.09.2015 fand ein seit längerem geplantes persönliches Treffen zwischen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis (zuständig für öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) und dem EU-Abgeordneten Stefan Bernhard Eck statt, bei dem es schwerpunktmäßig um die grausame und inakzeptable Tötung der rumänischen Streunerhunde ging.

MEP Stefan B. Eck erläuterte dezidiert die Hintergründe des Hundemassakers in Rumänien sowie die aktuelle Situation und übergab Kommissar Andriukaitis politisch hochbrisante Dokumente mit Beweisen und eindeutigen Fakten über die mafiösen Verflechtungen zwischen hochrangigen Politikern auf nationaler und kommunaler Ebene, staatlichen Behörden und den staatlich eingesetzten Hundefängern, die mit dem Inkrafttreten des sogenannten Ionut-Gesetzes und der Umsetzung dieses Streuner-Populationsmanagent – in Wahrheit ein lebensverachtendes „Geschäftsmodell“ – riesige Gewinne einfahren.

Der EU-Abgeordnete informierte Kommissar Andriukaitis auch über die erst kürzlich bekanntgewordenen Verflechtungen zwischen dem Parlamentsabgeordneten und Vizepräsidenten der rumänischen Agrarkommission, Liviu Harbuz, und der übermächtigen „Vereinigung rumänischer Veterinäre“ (CMV), deren stellvertretender Vorsitzender er ebenfalls ist. Liviu Harbuz scheint maßgeblich für die überteuerte Registrierung mittels Micro-Chip und die Repressalien gegen Hundebesitzer/innen verantwortlich zu sein, die eine Registrierung nicht durchführen lassen.

Besorgt nahm der EU-Kommissar zur Kenntnis, dass durch die neu erlassenen Verordnungen und Gesetze eine flächendeckende Impfung gegen Tollwut der ca. 5 Millionen Hunde in Rumänien nicht mehr gewährleistet sein kann, wodurch ein ernstzunehmendes Risiko für die öffentliche Gesundheit entstanden ist. Stefan Eck wies in seinen Ausführungen auch auf die im Zusammenhang mit dem „Populationsmanagement“ erfolgten Menschenrechtsverletzungen und Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen hin, was den EU-Kommissar, der vor seiner politischen Karriere Arzt war, sichtlich berührte.

Natürlich wurde in dem offenen Dialog auch über die Korruption in Rumänien und dem Missbrauch von EU-Geldern im Allgemeinen gesprochen.

Kommissar Andriukaitis versprach, das brisante Thema „Streunerhunde“ bei seinem Besuch in Bukarest auf die Agenda zu setzen, obwohl aufgrund von Artikel 13a des Vertrages von Lissabon keine Handlungsvollmacht vorliegt.

Nach diesem sehr vertrauensvoll geführten Gespräch und durch die Übergabe des Beweismaterials (Dokumente eines rumänischen Informanten, eine rund 40-seitige Ausarbeitung von Claudiu Dumitriu und eine kurze Zusammenstellung über Angriffe von Hundefängern gegen Hundebesitzer von Cristina Dragan) besteht die berechtigte Hoffnung, dass seitens des EU-Kommissars, der morgen nach Rumänien reisen wird, um sich mit hochrangigen Politikern/innen zu treffen, ein deutliches Signal in Form einer inoffiziellen Kritik ausgesprochen wird.

Zum Abschluss des Gesprächs übergab MEP Stefan Eck Kommissar Vytenis Andriukaitis zwei große Pakete mit Briefen und Zeichnungen von Kindern, die er im Dezember letzten Jahres auf einer Demonstration in Brüssel gegen die Streunertötungen erhalten hatte. Eine vor längerer Zeit erfolgte Anfrage an den EU-Kommissionspräsidenten J. C. Juncker wurde damit beantwortet, dass man die Briefe an Herrn Andriukaitis übergeben möge.

Dass der EU-Kommissar den Termin des Treffens mit dem Abgeordneten Eck einen Tag vor seine Bukarest-Reise angesetzt hat, lässt vermuten, dass er für dieses Thema offen ist, was sich auch während des Gespräches bestätigte.

Stefan Bernhard Eck hat mit diesem Treffen einen Meilenstein in seinem Kampf gegen die skandalösen Hundetötungen in Rumänien erreicht – eine gezielte, strategische Aktivität auf der zweithöchsten Ebene innerhalb der EU.

Für ihn steht aber fest, dass sein Einsatz für die rumänischen Hunde weitergehen wird, bis das Töten ein Ende hat.