Die Doppelsicherung beim Hund

 

Die Doppelsicherung beim Hund bedeutet, dass der Hund am Halsband sowie am Geschirr, jeweils mit einer Leine abgesichert ist. Hört sich erst einmal einfach an, ist es jedoch für viele nicht. Denn trotz einer Doppelsicherung entlaufen immer noch viele Hunde, meist dann wenn Halsband und Geschirr nicht richtig angepasst sind.

Viele „Neuhunde-Besitzer“ wissen noch nicht einmal, dass es Sicherheitsgeschirre gibt und worauf man bei der Wahl des Halsbandes achten sollte. Nicht vergessen sollte man natürlich auch die richtige Wahl der Leine, damit sie in einem Schreckmoment nicht so schnell durchgebissen werden kann, bzw. ein Karabiner aufgeht.

Bitte unterschätzen Sie dieses Problem nicht, wenn Sie einem ängstlichen Hund ein neues Zuhause geben möchten. Die täglichen Meldungen beweisen es leider immer wieder, dass Hunde (häufig aus dem ausländischen Tierschutz, aber auch aus deutschen Massenzuchten oder Animal-Hoarding-Beständen) bereits in den ersten Stunden oder Tagen, aus ihrem neuen Zuhause entlaufen.

Die Wahl des richtigen Halsbandes sollte daher gut durchdacht sein.
Bei der richtigen Wahl des Halsbandes darf man nicht die Herkunft und die Vorgeschichte des Hundes außer Acht lassen. Stellen Sie sich einmal vor, Ihr zukünftiger Hund wurde im Ursprungsland mit der Schlinge eingefangen. Wen wundert es dann, wenn der Hund mit extremer Panik auf Zughalsbänder reagiert. Ich tendiere nur zu einem Zughalsband, wenn (noch) kein Sicherheitsgeschirr vorhanden ist.

Wenn Sie ein Halsband für Ihren Hund wählen, ist die Verarbeitung entscheidend. Denn die Verarbeitung und das Material entscheiden nicht nur über das Wohlbefinden des Hundes, sondern auch über dessen Sicherheit. Wählen Sie z. B ein Halsband mit Klick-System, müssen regelmäßig die Schnallen kontrolliert werden. Nicht selten gibt hier das Material nach, und die Verschlüsse greifen nicht mehr vollständig. Mein Favorit sind Halsbänder die mit einem Schnallensystem, ähnlich die eines Gürtels ausgestattet sind. Sie gewährleisten eine schnelle und sichere Einstellung des Halsbandes. Sind die Lochungen noch mit Nieten gesichert, ist ein Ausreißen so gut wie unmöglich. Bei einem ängstlichen Hund hat es noch den weiteren Vorteil, dass das Halsband direkt angepasst werden kann.

Das Sicherheitsgeschirr
Für die meisten Hunde ist es kein Problem sich aus den handelüblichen Geschirren zu befreien. Daher ist besonders bei einem ängstlichen Hund ein Sicherheitsgeschirr von großer Bedeutung.
Sicherheitsgeschirre weisen sich dadurch aus, dass sie über drei, anstatt der handelsüblichen zwei Gurte verfügen. Der zusätzliche dritte Gurt verläuft hinter dem Brustkorb um die Taille des Hundes. Da der Brustkorb kräftiger ist als die Taille, wird es so dem Hund unmöglich gemacht, dass Geschirr nach vorne über den Kopf abzustreifen.
Zudem sollte bei einem Sicherheitsgeschirr darauf geachtet werden, dass das Material weich und anpassungsfähig ist. Zusätzlich sollte auf einen langen Rückensteg geachtet werden, damit die Haut unter den Achseln nicht einschneidet. Und bevor Sie das Geschirr zum ersten Mal anlegen, kontrollieren Sie bitte alle Schnallen auf ihre Funktionalität und ob alle Stege fest vernäht sind. Denn leider ist es auch schon vorgekommen, dass ein Hund auf Grund eines Materialfehlers des Geschirres entlaufen ist.

Die Auswahl der Leinen
Ein häufig unterschätzter Sicherheitsfaktor sind die handelsüblichen Karabiner, mit denen fast jede Leine ausgestattet ist. Im ungünstigen Fall können sich diese öffnen (defekt, Leine hakt hinter den Verschluss…). Daher empfehle ich dringend, Leinen mit Schraubkarabinern auszustatten. Bei diesen Karabiner ist ein versehentliches öffnen fast unmöglich, da zum Öffnen mehrere Umdrehungen der Schraubhülse in einer Richtung nötig ist.

Für die Doppelsicherung werden oftmals Koppelverbindungen empfohlen, weil sie praktischer zu handhaben sind, wie die klassischen zwei Leinen. Diese Verbindung können Sie sich als ein V-Stück vorstellen, wo jeweils ein Karabiner am Halsband, der andere am Geschirr befestigt wird. An der Spitze vom V befindet sich ein Ring, wo Sie nun eine Leine befestigen können. Bevor Sie zu diesem Hilfsmittel greifen, überlegen Sie bitte einmal, was passiert wenn der Hund in Panik die Leine durchbeißt. „Es zerreißt die einzige Verbindung, die sie zu ihrem Hund haben“. Auch wenn zwei Leinen vielleicht unpraktischer sind, wie in diesem Fall hätten Sie immer noch eine Leine in der Hand.
Dies gilt übrigens auch bei dem Einsatz von Sicherheitsgeschirren. Es gibt Händler die damit werben, dass ein ausbruchssicheres Geschirr sicherer und vor allem angenehmer für Hund und Halter ist, als die Doppelsicherung mit Geschirr und Halsband. Angenehmer vielleicht, aber was nützt es, wenn der Hund die einzige Leine durchbeißt…

Fazit: Wirklich sicher ist nur ein Sicherheitsgeschirr + Halsband + Leine mit Drehkarabinern. Und natürlich nicht zu vergessen, ein aufmerksamer Hundeführer. Auch wenn der Aufwand anfänglich sehr hoch ist, kann nur so ein ängstlicher Hund wirklich sicher geführt werden. Daher ist es von großer Wichtigkeit, sich rechtzeitig mit dieser Materie zu beschäftigen und sich bewusst zu machen, welch große Verantwortung auf Sie zukommt. Aber natürlich kann Ihnen der Hund auch vieles zurück geben und vergessen Sie bitte nicht: Fast alle Hunde haben die Fähigkeit, sich auf neue und ungewohnte Situationen einzustellen. Lassen Sie ihrem Hund Zeit, sich an die neue Umgebung und vor allem auf „seine“ neuen Menschen einzustellen. Wenn er merkt, dass Sie keine feindlichen Absichten haben, hat der Hund eine gute Chance auf ein normales und angstfreies Hundeleben.

Mehr über Angsthunde finden Sie auch unter: http://www.heino-krannich.de/informationen-rund-um-den-h…/…/