Gegenwind für Toreros: Mallorca verbietet Stierkämpfe

 

Palma de Mallorca. Die Tage des Stierkampfes auf Mallorca sind gezählt: In der größten und wichtigsten Arena, dem Kampfplatz mit dem Namen „Coliseo“ in der Inselhauptstadt Palma, gehen demnächst die Lichter für die Toreros aus.

Die neue Stadtregierung, die von einem Mitte-Links-Bündnis getragen wird, kündigte an, dass Palma de Mallorca zur „Stadt ohne Tierquälerei“ und „stierkampffreien Zone“ erklärt werden soll. Andere mallorquinische Stierkampfplätze könnten demnächst folgen.

In Palmas Stierkampf-Kolosseum, in dem 12000 Zuschauer Platz haben, traten die berühmtesten Toreros Spaniens auf. Der Kampfplatz war zudem in Deutschland durch die TV-Show „Wetten, dass…“ bekannt, die von dort mehrmals live gesendet worden war. Nun sollen in der Arena also keine Stiere mehr getötet werden, sondern nur noch kulturelle und sportliche Veranstaltungen stattfinden.

Signalwirkung für ganze Insel

Das geplante Stierkampfverbot dürfte Signalwirkung für die ganze Insel haben, auf der die Empörung wegen dieser blutigen Kämpfe schon länger heftige Wellen schlägt. Und wo die Zahl der Gegner dieses umstrittenen Stierspektakels ständig größer wird. Binnen weniger Monate sammelte die Bürgerinitiative „Mallorca ohne Blut“ auf der Insel mehr als 120.000 Unterschriften gegen diese „grausame Tradition, für die sich immer mehr Bürger schämen“. Die Stierkampfgegner schafften es inzwischen, die politische Mehrheit für sich zu gewinnen.

Erst werde das Stierkampfverbot in Palma kommen, sagt Guillermo Amengual, Sprecher dieser Tierschutz-Kampagne. Dann könnten auch in den anderen drei mallorquinischen Orten, in denen derzeit noch Stierblut im Sand vergossen wird, die Toreros die rote Karte bekommen. Bisher fanden einmal im Jahr, meist während des Stadtfestes, Stierkämpfe in Palma, Muro, Alcúdia und Inca statt. „Die Stierkampfsaison dieses Jahres wird die letzte auf mallorquinischem Boden sein“, gibt sich Amengual nach dem plötzlichen politischen Windwechsel auf der Insel überzeugt.

Toreros unter Polizeischutz

In der Kommunal- und Regionalwahl Ende Mai hatte die stierkampffreundliche konservative Volkspartei inselweit ihre bisherigen Mehrheiten verloren. Nun werden vielerorts Mitte-Links-Bündnisse aus Sozialisten, der linken Inselpartei „Més por Mallorca“ und der Protestbewegung Podemos geschmiedet. Und diese Allianzen haben für die mittelalterlich anmutenden Stierkämpfe wenig übrig.

Bisher schon kamen die Toreros häufig nur mit Polizeischutz in die mallorquinischen Arenen. Vor den Toren der Kampfplätze demonstrieren üblicherweise Tierschützer mit Buhrufen, Pfiffen und Schmähplakaten, auf denen Parolen prangen wie „Tierquälerei ist keine Kultur“. Regelmäßig kommt es zu Handgreiflichkeiten. Etliche Reiseveranstalter nahmen Stierkämpfe inzwischen aus ihren Ausflugsprogrammen, weil sich zu viele Kunden beschwerten.

Arenen müssen dichtmachen

In ganz Spanien dürfte die Nachricht vom sich anbahnenden Stierkampfverbot auf Mallorca die Debatte um diese „Fiesta“ wieder anheizen. Im nordspanischen Katalonien wie auf den Kanarischen Inseln sind Kämpfe zwischen den edlen Stieren und den stolzen Toreros bereits länger verboten . Und auch andernorts wenden sich immer mehr Bürger von dieser umstrittenen Tradition ab, die vor allem in der älteren Bevölkerung noch Anhänger hat.

Mangels Zuschauern und ausreichenden Einnahmen wurden in den letzten Jahren hunderte Arenen im ganzen Land zugemacht. Auch der Beschluss der konservativen spanischen Regierung, Stierkämpfe als „nationales Kulturerbe“ zu schützen, hat daran nicht viel ändern können. Doch Spaniens Stierkampflobby gibt nicht auf und hat nun sogar bei der Unesco, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, beantragt, den ungleichen Kampf zwischen Torero und Bullen zum Weltkulturerbe zu erklären. (ze)