Weltmilchtag – kein Grund zur Freude

Wir möchten einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Milchproduktion werfen und über die damit verbundenen Problematiken aufklären.

Milch gehört zu den am besten vermarkteten Lebensmitteln. Denn sie gilt als  gesund und wird mit grasenden Kühen auf grünen, saftigen Weiden verbunden.  77 Liter Milch konsumiert der durchschnittliche Österreicher pro Jahr. Rechnet man jene Milch hinzu, die in die Herstellung von Milchprodukten fließt, werden in Österreich jährlich 3,4 Millionen Tonnen Kuhmilch verbraucht. Der Bioanteil liegt bei gerade einmal 15 %. VIER PFOTEN möchte zum Weltmilchtag einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Milchproduktion werfen und über die damit verbundenen Problematiken aufklären.

Durch die mediale Verbreitung allfälliger Lebensmittelskandale und die Aufdeckung tierquälerischer Produktionsmethoden ist bekannt, dass die Intensivierung in der landwirtschaftlichen Tierhaltung mit einer Reihe von Problemen für die Tiere verbunden ist. Das gilt auch für die Milchrinderproduktion.  Hier weicht die Realität meist stark vom romantischen Bild von grasenden Kühen auf der grünen Weide ab.

Die Milchleistung pro Kuh – das ist die Menge an Milch die eine Kuh pro Jahr gibt – nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. In Österreich liegt die durchschnittliche jährliche Milchleistung bereits bei 6.500 kg pro Kuh – wobei es sogar schon Kühe gibt, die 12.000 kg Milch liefern. Vor 40 Jahren waren es gerade einmal 2.700 kg.  In großen Spitzenbetrieben wird daher bereits dreimal täglich gemolken.

Diese hohe Leistung wird nicht nur durch Zucht allein, sondern auch durch hohe Kraftfuttergaben erreicht. Diese ist für Wiederkäuer jedoch nicht artgemäß. Hinzukommt, dass die Tiere durch die Verfütterung von Getreide  und Soja unnötigerweise zur Nahrungsmittelkonkurrenz des Menschen werden. Denn Kühe können als Wiederkäuer eben genau das gut verdauen und verwerten, was der Mensch nicht kann: rohfaserreiche Nahrung wie Heu oder Gras.
Die extreme Intensivierung bringt schwerwiegende Folgen für die Tiere mit sich

Über 30% der Milchkühe werden jährlich ausrangiert und geschlachtet. Auf Platz  1 der Abgangsursachen in Deutschland stehen Fruchtbarkeitsprobleme mit 21% , gefolgt von Euterkrankheiten/Mastitis mit 14,3%, Klauen- und Gliedmaßen-Erkrankungen (10,9%) und Stoffwechselstörungen (8,4%). Für Österreich kann man von ähnlichen Zahlen ausgehen.

Übergroße Euter verhindern eine normale Fortbewegung der Kuh und haben Veränderungen in den Klauen zur Folge. Nicht überraschend, aber trotzdem erschreckend, die Zahl der lahmen Kühe: 30 bis 50 % aller deutschen Milchkühe leiden an Lahmheiten, einem schmerzhaften Zustand. Zahlen in Österreich deuten auf eine ähnlich hohe Anzahl betroffener Tiere hin. Die Fruchtbarkeit der Tiere nimmt mit steigender Milchleistung ab. Das Auftreten von Euterentzündungen (Mastitis) ist in den letzten Jahren stark angestiegen, die „Nutzungsdauer“ der Kühe hingegen über die Jahre dramatisch gesunken: im Alter von nicht einmal 5 Jahren werden die oftmals ausgezehrten Milchkühe geschlachtet – obwohl ein Rind erst mit 5 Jahren ausgewachsen ist und die natürliche Lebenserwartung eines Rindes eigentlich bei über 20 Jahren liegt.

Aufgrund des niedrigen Michpreises versuchen die Tierhalter durch stetige Vergrößerung ihres Tierbestandes ihren Betrieb zu erhalten. Betriebe, die bei dieser Entwicklung nicht mithalten können, müssen aufgeben. So sinkt die Anzahl der Betriebe, während die Anzahl der pro Betrieb gehaltenen Tiere steigt. In Österreich sank die Zahl der Betriebe von 56.583 im Jahr 2003 auf 36.476 im Jahr 2012.  Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl von Betrieben, die über 400 Tonnen Milch liefern, von 93 auf 402.

Einnutzungsrassen – Zweinutzungsrassen

Eine bedeutende Milchnutzungsrasse ist die „Holstein-Friesian“. Bereits  31 % der größeren Betriebe halten diese auf hohe Milchleistung gezüchteten Tiere. Sie geben mit durchschnittlich 8.500 Litern Milch pro Jahr über 1.000 Liter mehr Milch als andere Rassen.

Um Milch zu geben, muss eine Kuh immer wieder (jährlich) ein Kalb bekommen – das ihr im Normalfall direkt nach der Geburt weggenommen wird. Die reinen Milchviehrassen machen eine Nutzung der männlichen Kälber zur Fleischgewinnung wirtschaftlich uninteressant. Die Bullenkälber werden aus ökonomischer Sicht „überflüssig“, da sie in der Mast zu langsam Fleisch ansetzen. Zweinutzungsrassen dagegen liegen nicht so hoch in der Milchleistung, dafür sind die Tiere nicht so krankheitsanfällig und sie setzen mehr Fleisch an. Somit können die männlichen Kälber auch gut für die Mast genutzt werden, anstatt als lästiges Nebenprodukt anzufallen, ähnlich den männlichen Küken der Hochleistungslegehennen, die direkt nach dem Schlupf getötet werden.

Haltungsbedingungen

Ein weiteres Problem in der Milchviehhaltung ist die Anbindehaltung. Diese ist in Österreich noch  häufig anzutreffen und sogar im Biobereich für kleine Betriebe erlaubt.  In der Anbindehaltung können sich die Tiere nur minimal bewegen und das ungehinderte Aufstehen und Abliegen ist erschwert. Auch die Ausübung von Sozialverhalten ist in der Anbindehaltung nicht möglich.

Was Sie als Verbraucher tun können:

Kaufen Sie vermehrt pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Mandelmilch oder Produkte aus diesen. Mittlerweile gibt es eine bunte Palette an veganen „Joghurts“, „Käse“, etc.