Warum Tiere uns guttun, wir ihnen aber nicht

 

Artgerechte Haltung, Massentierhaltung, Tierschutz

Mit der Debatte um Menschenrechte für Menschaffen ist die Diskussion um Massentierhaltung und Schlachthof-Barbarei neu entbrannt. Und mit ihr der Ruf nach anderer Ethik, mehr Moral – und einem neuen Gesellschaftsvertrag mit dem Tier.

Schon wieder Zeitungs-Fotos qualvoll verendeter Schweine in einem lichtlosen Massentierstall, bestimmt für die Fleischtheke einer Lebensmittelkette, hätte sie der Tod nicht vorher lebendig aufgefressen. Bilder die schmerzen wie Schläge. Schande, die brennt wie Feuer. Aber, auch wenn es noch so weh tut: Wir dürfen unsere Augen nicht länger verschließen gegenüber der Abscheulichkeit von Massentierhaltung und Schlachthof- Barbarei , die das moralisch- ethische Korsett einer menschlichen Gesellschaft längst gesprengt haben.

Unsere Speisekarte ist zum blutigsten Stück Papier der Moderne geworden, darauf: 630  Millionen Hühner, 58 Millionen Schweine, 37 Millionen Puten, 25 Millionen Enten, 3 Millionen Rinder, 1 Million Schafe, 500 000 Gänse und 29 000 Ziegen. Macht 754 Millionen geschlachtete Nutztiere.

Das Band zwischen Mensch und Tier zerreißt

Obwohl Millionen Menschen Mitleid mit leidenden Tieren empfinden und kaum jemand ihren Tod will, steigt der Fleischkonsum über alle Grenzen der Verelendung der Kreatur hinweg ständig an, die einsetzt, sobald aus Lebewesen Massen-Ware wird. Das Jahrtausende alte Band der Ich-Du-Beziehung zwischen Mensch und Tier zerreißt, Gewinn-Maximierung tritt an seine Stelle.

Proteste von Tierschützern werden abgetan, die Politik flüchtet sich in Debatten um Stall-und Käfiggrößen, Zentimeter Lebensraum, Methoden des Tötens und Schlachtens, vermeintlicher Artgerechtheit des Tieralltags. Das kostet Zeit und Leben, bringt aber auch Zeit, Billig-Fleisch, Geld – und der Politik Stimmen.

Die Schöpfung hat uns das Tier anvertraut, nicht ausgeliefert

Wenn aus Unrecht Recht wird, ist Widerstand Pflicht. Die Schöpfung hat uns das Tier anvertraut, ausgeliefert hat sie es uns nicht. Nicht den Schamlosen. Nicht den Gewissenlosen. Nicht den Gedankenlosen. Nicht der Agrarindustrie. Und auch nicht einer Politik des Wegschauens.

Markt-Macht fragt nicht nach Moral, Kapital nicht nach Charakter und Ignoranz nicht nach Verständnis. Schuld aber unterscheidet auch nicht zwischen Mäster, Begünstigter und Konsument. Der Geiz ist genauso Täter wie die Habsucht Täterin ist.

Wir müssen dem Tier Akzeptanz und Respekt zugestehen

Höchste Zeit, dass wir nach unserer Verantwortung gegenüber dem Tier fragen. Sie entscheidet auch über unsere Würde. „Ethik ist die grenzenlos erweiterte Verantwortung gegen alles, was lebt“ (Albert Schweitzer). Hören wir auf ihn. Das macht die Torturen der hundertmillionenfach hingeschlachteten Kreatur nicht rückgängig. Es befreit uns auch nicht von unserer Mitschuld. Aber es öffnet uns die Tür zu einer Mensch-Tier-Gesellschaft, die diesen Namen verdient.

 

Dazu bedürfen wir keiner neuen Moral, wir müssen nur damit aufhören, Tiere willkürlich aus unserem bestehenden Moralkodex auszuschließen. Und dem Tier endlich zugestehen, was ihm schon qua Geburt zusteht, Akzeptanz und Respekt. Nicht einmal ein weiter greifendes Tierschutz-Gesetz ist von Nöten. Verändertes ethisches Selbstverständnis und Einigkeit in der Ablehnung von Massentierhaltung bewahrt das Tier besser und nachhaltiger als jeder Paragraph es vermag.