Tierschützer – Das Leiden der Seele

Tierquälerei, natürlich gibt es sie. Ein Tier wird geschlagen, schlecht gehalten, ausgesetzt. Das war meine Vorstellung von Tierquälerei. Wie naiv ich doch war. Diese Vorstellung änderte sich drastisch als ich mich in Facebook anmeldete.

Es fing mit einem „gefällt mir“ hier an, dann ein „gefällt mir“ da und schon sah ich das Grauen auf der ganzen Welt. Eine Welt aus Schmerz, Leid, Qual, Trauer und Tod. Ich durchlief und durchlaufe es immer noch, ein Emotionschaos von Schock, Trauer, Wut, Entsetzen, Enttäuschung und noch vieles mehr. Ist das wirklich die Welt in der wir Leben? Tun wir wirklich anderen Lebewesen sowas an?

Ich hetzte von einer Petition zur anderen. Unterschreiben, teile und probiere irgendwie zu helfen, soweit ich das kann. Oft habe ich mich gefragt, soll ich einfach weg sehen? Das Morden der Hunde in Rumänien einfach ignorieren? Ist ja nicht mein Land. Den Rassismus auf Grund einer Rasse in Dänemark einfach akzeptieren? Geht mich ja nix an. Das Einfangen und Schlachten der Hunde in China als ok befinden? Ist ja ein armes Land. Nein!

Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht an meinem Rechner oder Handy sitze und weine. Sprachlos und Entsetzt über die Taten, die wir Menschen jeden Tag anderen Lebewesen an tun. Oft schlafe ich mit Tränen in den Augen ein, werde von den Bildern der Tiere im Schlaf verfolgt, und wache mit Tränen in den Augen wieder auf. Aber wenn ich weg sehe, wer sieht dann hin? Wer hört die hilflosen, gequälten Schreie?

Mein Mann sagt oft zu mir, schau es Dir nicht an, das bringt Dich noch um. Was ist, wenn viele so denken? Wer hilft dann noch. Wird ein Problem/Unrecht verschwinden, wenn man es ignoriert? Nein!

Vor Tagen sah ich ein Bild einer jungen Fotografin die Aufnahmen machte. Wo genau sah man nicht, wahrscheinlich auf einem Schlachthof oder ein anderer Fall von Tierquälerei. Sie hielt die Kamera an ihr eines Auge und aus dem anderen rannen die Tränen. Dieses Bild hat mich zu tiefst erschüttert. Wie schlimm muss es sein, sich das ganze vor Ort anzuschauen. Teilweise hilflos nur dabei zu stehen, und nichts unternehmen zu können? Wie schmerzhaft muss das für eine Person mit Herz und Seele sein? Dabei zu sein und nicht einfach den Laptop zu machen, den Rechner aus, das Handy zu Seite zu legen? Nicht die Augen verschließen zu können?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss, wenn man einen Todesshelter betritt, mit dem Wissen, das man nur 30 von 100 Hunden rausholen kann. Wie schwer muss das auf Euch lasten. Wie ihr Euch fühlt, wenn Vereins- oder Gruppenmitglieder sich immer mehr zurückziehen und weniger helfen. Wenn Hetzereien grundlos verbreitet werden. Und Ihr steht alleine auf verlorenen Posten vor Ort. Mit dem Wissen über das Schicksal der Tiere. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, welche Seelenqualen Ihr jeden Tag auf Euch nehmt, um den Tieren zu helfen und die Welt darüber in Kenntnis zu setzen.

Liebe Tierschützer vor Ort, die jeden Tag diesem Horror mit ansehen müsst, ich ziehe meinen Hut vor Euch. Ihr habt meinen tiefsten Respekt. Ich danke euch! Wir schulden Euch so viel, dass ihr das auf Euch nehmt und für uns dokumentiert und Leben rettet. Ich kann mir nicht vorstellen, was Ihr jeden Tag sehen müsst. Ihr seid für mich die Helden dieser Welt.

Diese Menschen sind für mich mit ein Grund, warum ich nicht aufgebe. Warum ich jeden Tag aufs Neue mein Handy oder meinen Rechner anmache und weiter für das Leben der Tiere kämpfe. Jeder klick, jeder Like, jedes erwähnte Wort um Menschen auf die Missstände aufmerksam zu machen, zählt.

Wir dürfen nicht aufhören uns für andere Lebewesen einzusetzen. Wenn wir aufhören, haben wir verloren. Unsere Gesellschaft wird moralisch versagen. Heute sind es Tiere, morgen alte Menschen oder Menschen mit Behinderung, und dann? Was wird dann kommen?

Es ist schwer, sich Bilder von gequälten und ermordeten Tieren anzusehen, aber hört nicht auf eure Stimme für sie zu erheben. Hört nicht auf damit, wehrlosen und unschuldigen Seelen zu helfen.