Statement / 07.02.2015

Statement / 07.02.2015

Lebensverachtende Kükentötung in NRW weiter erlaubt

Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 50 Millionen männliche Eintagsküken direkt nach dem Schlüpfen durch Schreddern oder Vergasung getötet, da sie als „Abfallprodukt“ der Eier und Hühnerfleischproduktion gelten.

Die Landesregierung von NRW hatte diese lebensverachtende Praxis im Jahr 2013 verboten; sie sollte zum 1. Januar 2015 in Kraft treten. Nun hat das Verwaltungsgericht Minden entschieden, dass das millionenfache Töten der Eintagsküken nicht per Erlass von der NRW-Landesregierung gestoppt werden kann, da das Tierschutzgesetz als Grundlage für einen solchen Erlass nicht genügt. Dem Verbot der Kükentötung stünden Interessen der Züchter entgegen, die durch das Grundgesetz geschützt seien. Ob das Staatsziel „Tierschutz“, das im Grundgesetz verankert ist, höher als die Interessen der Legehennen-Züchter zu bewerten sei, könne nicht eine Landesregierung entscheiden. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, kann das Land NRW Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster eingelegen. Aber NRW-Umweltminister Remmel sieht schon jetzt den Bund in der Pflicht, Klarheit zu schaffen.

Der EU-Abgeordnete Stefan Bernhard Eck kann die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Minden nicht nachvollziehen, denn das deutsche Tierschutzgesetz (§ 17) besagt, dass kein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf. Hinter der Klage der Legehennen-Züchter verstecken sich rein wirtschaftliche Gründe: Männliche Küken können weder in der Eier- noch in der Fleischproduktion profitabel eingesetzt werden.

„Ein Verbot der Kükentötung in Deutschland“, so Stefan Bernhard Eck, „reicht nicht aus, weil sich dann die Legehennen-Zucht aus Rentabilitätsgründen in andere Mitgliedstaaten verlagern würde. Wir brauchen deshalb ein europaweites Verbot der Kükentötung, verbunden mit einem Importverbot von Hühnerfleisch aus Ländern, in denen diese grausame Praktik noch erlaubt ist. Dafür werde ich mich einsetzen, aber selbstverständlich als ersten Schritt auch für einen Alleingang Deutschlands. Doch auch der Verbraucher ist in der Pflicht, sein Konsumverhalten zu überdenken.“