Sie tragen eine Daunenjacke? Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?

 

Daunenjacken sind wieder überall. Lange Zeit schienen die gefütterten Winterjacken aus der Mode gekommen zu sein, aber in diesem Herbst sind die Jacken wieder zurück in den Modemagazinen und Kleiderschränken. Aber zu welchem Preis?

Die wärmenden Jacken sind gefüllt mit Daunen, der untersten Federschicht bei Vögeln. Das ist bekannt. Weit weniger bekannt sind jedoch die grausamen Umständen in der Daunenjacken-Produktion. Erfährt man sie, läuft es einem kalt den Rücken runter.

Obwohl in der Europäischen Union seit 1999 die sogenannte „Lebendrupfung“ von Gänsen verboten ist, wird aber genau diese Regelung für die hier verkauften Jacken missachtet.

 

Wie heimliche Filmaufnahmen des italienischen Fernsehsenders „RAI“ jetzt zeigen, greifen sogar Luxusmarken wie Moncler auf diese Federn aus Lebendrupfung zurück. Moncler weist die Vorwürfe zurück, die Aufnahmen seien „irreführend zusammengeschnitten worden“, hieß es.

Der Sender zeigte Filmmaterial aus einem ungarischen Stall, wo lebenden Gänsen im Akkord das Gefieder ausgerissen wird. Die Tiere erleiden bei dieser Prozedur oft schlimme Verletzungen. Die Wunden werden nicht tierärztlich versorgt – stattdessen wird gewartet, bis die Tiere wieder Federn haben. Nur um sie dann erneut zu rupfen. Denn beim zweiten Mal wachsen die Federn noch dichter.

Keine Klarheit über Herkunft der Daunen

Welche Hersteller auf Daunen aus diesen Ställen zurückgreifen ist unklar. „Offiziell behaupten alle großen Marken, dass sie nur Daunen von toten Tieren verwenden“, erklärt Friedrich Mülln von der Organisation „Soko Tierschutz“ dem Spiegel, „aber der Daunenmarkt ist absolut intransparent, niemand kann letztlich wirklich garantieren, dass er nur Federn von Schlachttieren verarbeitet.“

Mülln hat selbst auf osteuropäischen Höfen recherchiert und dabei ebenfalls grausame Entdeckungen gemacht. In einigen Ställen kämen sogar Rupf-Maschinen zum Einsatz, die eigentlich für das Rupfen von toten Tieren ausgelegt seien.

Die steigende Nachfrage nach Daunen erhöht den Druck auf die Lieferanten und bedeutet Quälerei für die Tiere.

Wer also sichergehen möchte, dass für seine Jacke keine Gänse lebendig gerupft werden, der sollte von Daunenjacken besser die Finger lassen, zumal Qualitätssiegel in diesem Bereich höchst umstritten sind.

Zudem können Verbraucher nach Jacken mit synthetischen Füllstoffen suchen. Laut der „Neuen Zürcher Zeitung“ eignet sich vor allem die Hohlfaser Primaloft als Daunen-Imitat.