Ist der Mensch Fleisch- oder Pflanzenfresser?

 

Der Pro-Kopf-Fleischkonsum der Deutschen ist in den letzten 30 Jahren von 30 kg auf 88 kg angestiegen. Das ist fast eine Verdreifachung in weniger als einem drittel Jahrhundert. Würden sich alle Nationen so ernähren wie wir, bräuchte es zwei Planeten, um die Versorgung sicher zu stellen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, vor allem da in jüngster Vergangenheit auch die ehemaligen Entwicklungs- und Schwellenländer begonnen haben, sich in puncto Ernährung am westlichen Vorbild zu orientieren. Insbesondere im asiatischen Raum wurde begonnen, die pflanzenbasierte zugunsten einer fleisch- und weißmehlproduktbasierten Kost einzutauschen. Der zunehmende Fleischkonsum ist für viele Menschen ein Zeichen des Wohlstandes. Ähnlich wie bei uns in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts: wer Geld hat, bei dem gibt es nicht nur sonntags, sondern mehrmals in der Woche Fleisch auf dem Tisch. Keine Frage, Fleisch ist auf dem Vormarsch. Aber zu wenige Menschen scheinen sich zu fragen, ob diese Entwicklung überhaupt gut für uns ist.

Sind wir Menschen von Natur aus Fleischfresser oder Pflanzenfresser?

Um dies zu klären unternehmen wir mal einen kleinen Exkurs in die Anatomie von Menschen, Fleischfressern (Carnivoren) und Pflanzenfressern (Herbivoren).

Zähne
Die Zähne eines Fleischfressers sind lang, scharf und spitz, um ihre Beute zu reißen. Pflanzenfresserzähne hingegen sind stumpf, denn sie müssen Blätter und Gräser zermahlen können. Selbst Menschenaffen, wie der Gorilla, die unstrittig Pflanzenfresser sind, haben ausgeprägtere Eckzähne als wir Menschen.
Nur mit Hilfe des Feuers sind Menschen in der Lage, Fleisch zu essen, da es beim Erhitzen weicher wird. Raubtiere hingegen fressen das Fleisch roh, wozu wir Menschen nicht in der Lage sind. Wer es nicht glaubt, kann ja mal versuchen, ein rohes Steak zu essen 😉

Zunge
Unsere Zunge und die Zungen anderer Pflanzenfresser sind vergleichsweise glatt, wohingegen die Zunge eines Fleischfressers um einiges rauer ist, da sie zum Abschaben von Fleischfasern und Sehnen von Knorpeln und Knochen dient.

Kiefer
Der Kiefer eines Fleischfressers kann sich nur auf und ab bewegen, während unser Kiefer auch horizontale Bewegungen ausführen kann.

Schluckmechanismus
Fleischfresser verfügen nicht über einen Schluckmechanismus, wie wir ihn kennen, da sie ihre Nahrung regelrecht herunterschlingen.

Speichel
Menschlicher Speichel ist basisch und verfügt über die Enzyme Ptyalin und Amylase, um Kohlenhydrate, die den Großteil unserer Nährstoffe ausmachen, aufspalten zu können. Die Nahrung eines Fleischfressers hingegen ist wesentlich eiweißreicher. Daher hat sein Speichel einen sauren pH-Wert, der beim Verarbeiten von tierischem Eiweiß von Vorteil ist.

Magen
Der Magen eines Menschen verfügt über eine komplizierte, gefurchte Struktur, wohingegen der Magen eines Fleischfressers eher einem runden Sack mit glatter Oberfläche ähnelt. Dieser produziert etwa zehnmal mehr Salzsäure als der Magen eines Pflanzenfressers, um die tierische Nahrung verdauen zu können. Wenn wir Menschen Fleisch essen, müssen sich die nicht verdaulichen Reste irgendwo ablagern. Dies führt zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose), dessen Folgeerscheinungen die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen sind.

Darm
Fleischfresser haben ein vergleichsweise kurzes Darmsystem (etwa dreimal so lange wie ihr Körper), da die Nahrung auf diese Weise rasch wieder ausgeschieden werden kann. Dies ist notwendig, da tierische Nahrung aufgrund der hohen Bakterienzahl schnell in Fäulnis übergeht. Unsere Darmlänge und die von Menschenaffen beträgt etwa ein 8-10-faches der Körperlänge. Dadurch wird die Nahrung möglichst lange im Körper behalten, um sie besser auszunutzen.

Leber
Da tierische Nahrung sehr viel Harnsäure enthält, muss die Leber eines Fleischfressers in der Lage sein 10-15 mal mehr Harnsäure zu entgiften, als die Leber eines Pflanzenfressers. Unterstützend wirkt dabei das Enzym Uricase, über das der Mensch ebenfalls nicht verfügt.

Hautporen
Wenn es uns Menschen zu heiß ist, fangen wir an zu schwitzen. Fleischfresser sind dazu nicht in der Lage, da ihre Haut nicht über Poren verfügt. Stattdessen geben sie überschüssige Körperwärme durch Hecheln ab.

Hände
Die Hände eines Menschen sind weniger gut zum Reißen eines Tieres als die krallenbesetzten Pranken von Löwen, Tigern und anderen Fleischfressern geeignet.

Leistungsfähigkeit
Fleischfresser verbringen die längste Zeit des Tages mit Dösen und Schlafen, da es sie viel Energie kostet, tierische Nahrung zu verdauen. Und bei Anstrengung geht Ihnen schnell die Puste aus. Um sie dafür zu entschädigen, wurden sie von der Natur mit Höchstgeschwindigkeiten ausgestattet, von denen wir Menschen nur träumen können. Der Gepard erreicht bis zu 110 km/h, allerdings nur etwa 400 Meter lang.
Pflanzenfresser hingegen sind weniger schnell, dafür aber wahre Ausdauerwunder. Hervorzuheben ist hier der in Nord- und Südamerika lebende Gabelbock. Er ist in der Lage, 6 km lang eine Geschwindigkeit von 56 km/h durchzuhalten. Vergleicht man die bescheidene Höchstgeschwindigkeit des Menschen (Weltrekordhalter im 100 m-Sprint Usain Bolt mit annähernd 45 km/h) mit den Ausdauerleistungen der Marathonläufer, fällt es nicht schwer, den Menschen in die Kategorie der Pflanzenfresser einzuordnen.

Vitamin C
Da Fleischfresser durch tierische Nahrung nur sehr ungenügend mit Vitamin C versorgt werden, sind sie in der Lage, es selbst zu produzieren. Bei Pflanzenfressern ist diese Fähigkeit unnötig, da ihre Nahrung (Blätter, Gräser, Wurzeln, Früchte, etc.) mehr als genug Vitamin C enthält.

Instinkt
Wenn man ein Baby, das noch völlig unbeeinflusst von den Ernährungsgewohnheiten seiner Mitmenschen ist, seine Nahrung selbst wählen lässt, wird es sich für frisches Obst entscheiden. Selbst wenn als Alternative eine Kreation eines Sterne-Kochs zur Verfügung steht. Es weiß eben instinktiv, was ihm gut tut.

Aber sind wir Menschen nicht Fleischfresser, weil wir ja Fleisch essen können?
Nein, das ist Quatsch. Das reine Verhalten sagt schließlich noch nichts über die Angemessenheit oder Tauglichkeit aus. Es gibt eine Menge dummer Dinge, die wir tun können, die aber nicht unbedingt förderlich für das Überleben unserer Art sind, wie beispielsweise mit Handgranaten auf uns zu werfen oder Klebstoff zu schnüffeln.

Und was ist mit der Allesfresser-Theorie?
Allesfresser (Omnivore) sind den Fleischfressern in den oben genannten Merkmalen sehr ähnlich. Der Mensch aber nicht. Er hat weitaus mehr Gemeinsamkeiten mit den Pflanzenfressern.

Wir können leicht feststellen, dass wir Menschen weitaus eher zu den Pflanzenfressern als zu den Fleischfressern tendieren. Dass wir trotzdem Fleisch essen, liegt vor allem an der letzten Eiszeit (75.000 – 12.000 Jahre v.Chr.), in der es unmöglich war, den täglichen Nahrungsbedarf durch Blätter, Gräser, Früchte und Samen zu decken. Daher wurde auch tierische Nahrung verzehrt. Das fett- und eiweißreiche Fleisch ermöglichte es den damals lebenden Menschen, der Kälte zu trotzen.
Heutzutage hängt unser Überleben allerdings in keinster Weise mehr vom Verzehr tierischer Produkte ab. Pflanzliche Kost ist nicht nur gesünder, leichter verdaulich, sondern auch umweltfreundlicher und preiswerter.

Aber ich will nicht, dass Du mir einfach so glaubst. Probiere es selbst aus, wenn Du Dir unsicher bist.
Iss einen Monat lang tierische und danach einen Monat lang pflanzliche Produkte und entscheide dann, mit welcher Ernährungsweise es Dir besser geht. Es würde mich nicht wundern, wenn Du bei der pflanzlichen Ernährungsform einige dieser Veränderungen erleben würdest.


 

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