Iran verbietet den Haushund

HUNDE IN PERSIEN

Mullah, ist ein Ehrentitel eines islamischen Rechts- und Religionsgelehrten. Der Mullah hat den Status eines Gelehrten ohne staatliches Diplom und ist an die Anerkennung anderer Gelehrter gebunden. Abgeleitet wird die Bezeichnung aus dem Arabischen „maulā“, das bedeutet, „Herr“ oder „Meister“. Sie wollen nun ihren Landsleuten verbieten, Hunde im Haus zu halten, wer zuwider handelt wird bestraft.

In Persien sind die Hunde auf dem Vormarsch, sie werden, auch in den Städten, als Haustiere immer beliebter. Das macht den iranischen Behörden Kopfzerbrechen. Immer mehr Iraner legen sich einen Vierbeiner als Haustier zu. Für die Behörden ist das ein unverzeihlicher Schritt in Richtung westlichen Lebensstil. Seit einiger Zeit kommt daher das Gassi gehen für Irans Hunde und Halter einer aufrührerischen Tat gleich: Werden sie erwischt, drohen Geldstrafen für den Besitzer und Haft oder noch Schlimmeres für sein Tier. Doch allen Maßnahmen zum Trotz: Hunde sind gefragt wie noch nie, ihr Verkauf boomt

Hunde als Haustiere waren jahrzehntelang selten im Iran anzutreffen – nach dem traditionellen Glauben gelten sie als „nadschis“ (unrein). Aufgrund ihrer geringen Zahl wurden sie jedoch toleriert; Wach-, Hüte- und Jagdhunde waren ohnehin akzeptiert. Inzwischen aber sind die Behörden alarmiert, weil die in ihren Augen verwestlichte Mittelschicht zunehmend auf den Hund kommt. Im Juni 2010 verurteilte Großayatollah Naser Makarem Schirsi die Hundehaltung als „blinde Nachahmung“ der westlichen Kultur und warnte, die traditionellen Werte könnten dabei vor die Hunde gehen: „Viele Menschen im Westen lieben ihre Hunde mehr als ihre Frauen und Kinder“, wurde er von den Medien zitiert.

„Die Welt“ hat dazu einen guten Artikel geschrieben: http://www.welt.de/vermischtes/article116483939/Im-Gottesstaat-droht-dem-Rehpinscher-der-Tod.html

Schon vor 3 Jahren wurden 100 bis 500 US $ Strafe veranschlagt, wenn man mit seinem Hund beim „Gassi gehen“ erwischt wurde. Iraner sollten künftig Strafe zahlen, wenn sie mit einem Hund in Wohnungen, Verkehrsmitteln oder an öffentlichen Orten auftauchen. Das sah ein Gesetzentwurf von 39 Parlamentariern vor. Bei Verstößen sollen die Hunde zudem beschlagnahmt werden.

Ob der Hund nun per Religion „unrein“, also „nadschis“ ist, darüber scheiden sich die Geister im Islam. Es wird aber von der Mehrheit befürwortet. Per Analogie wird mitunter von der Unreinheit des Speichels auf die Unreinheit des Schweißes und damit des Körpers des Tieres geschlossen. Diese Analogie ist jedoch aus dem Grund unberechtigt, weil der Hund hauptsächlich seinen Körper über das Hecheln, somit über Mund und Zunge, kühlt und nicht über Schweiß am Körper. Liest man in den religiösen Texten nach, dann findet man Hadithe die den Hund befürworten und jene die den Hund verteufeln.

Es scheint aber den Mullahs weniger um die Hadith zu gehen, vielmehr macht ihnen die „Verwestlichung“ ihrer „Schäfchen“ Sorge, wie es scheint. Daher bekämpfen sie den Hund, beziehungsweise die Hundehaltung im urbanen Bereich. Die Perser allerdings lieben ihre Tiere und lassen sich die Hundehaltung nicht so einfach verbieten. Immerhin gibt es diese Auseinandersetzung schon seit etwa vier Jahren im Iran. Selbst drakonische Strafen wie Peitschenhiebe und Gefängnis, wie mittlerweile angedroht wird, hält sie nicht davon ab, ihre Vierbeiner zu lieben und zu hegen, auch im Haus. Sie gehen lieber mit Abu Huraira, der berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte: „“Einer Prostituierten wurde (ihre Sünde) deshalb vergeben, weil sie an einem Hund vorbeikam und sah, wie dieser auf der Kante eines Wasserbrunnens mit heraushängender Zunge stand, und beinah vor Durst zu sterben. Da zog sie ihren Schuh aus, band ihn an ihren Schleier und zog für ihn Wasser heraus. Für dieses wurde ihr (die Sünde) vergeben.“ (Hadith sahih bei Buchari, dtsch. Ausg., Nr. 3321).

Auf Facebook gibt es eine Seite, MY STEALTHY FREEDOM“ (meine heimliche Freiheit) und da wird dieses Thema ebenfalls diskutiert.

https://www.facebook.com/StealthyFreedom/photos/a.859102224103873.1073741828.858832800797482/1000732219940872/?type=1&theater

Aus westlicher Sicht ist die Vorgehensweise der Mullahs nicht nachvollziehbar. Es erscheint verrückt, niemand würde sich bei „uns“ einen Hund verbieten lassen und kaum einer würde sich die Art der Hundehaltung vorschreiben lassen. Ein Politiker, der Peitschenhiebe androht, wenn der Hund im Haus gehalten wird, könnte sich nach einem neuen Beruf umsehen, die Medien würden vermutlich am Titelblatt darüber berichten. Unsere Kultur kennt diese Berührungsangst mit dem Hund (nicht mehr). In Persien, aber auch in den arabischen Ländern ist das anders.

Hundehaltung im westlichen Stil war lange unbekannt, der Hund war entweder Hofhund, Hütehund oder Jagdhund, in Stadthäusern wurden keine Hunde gehalten. Das hat sich in den letzten 10 Jahren sehr verändert. Auch die islamische Welt ist „auf den Hund gekommen“. Während das in den arabischen Ländern zwar misstrauisch beäugt wird, wird es in Persien zu einer Staatsaffäre, denn dort ist es vor allem die „Verwestlichung“, die den Mullahs Probleme bereitet.

Die Perser allerdings, vor allem die gebildete Mittelschicht in den Städten, akzeptiert mittlerweile die Anordnungen „von Oben“ nicht mehr ohne Protest. Das hat beim Kopftuch angefangen und geht nun beim Hund weiter. Hundehaltung wird zur Grundsatzdiskussion, sie wird zum Gradmesser, wie viel Freiheit sich der Mensch im Iran erkämpfen kann und sie fordert die religiöse Führungselite heraus. Vielleicht ist es optimistisch gedacht, aber der Hund hat das Potential, das iranische Regime zu Fall zu bringen.

Die Mullahs haben wenig in der Hand, nur eine Anzahl, sich teils widersprechender, Hadithe. Sie werden das Kind beim Namen nennen müssen, sie werden zugeben müssen, dass sie Angst haben, Angst vor dem Westen, Angst vor der westlichen Kultur, die ihrer Mittelschicht immer sympathischer wird.

Für die Vierpföter ist diese Situation aktuell allerdings gefährlich, sie laufen Gefahr getötet zu werden, wenn man ihr Herrchen oder Frauchen erwischt.