Eisbären unter Schutz gestellt

Norwegen hatte bei der 11. UN-Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) beantragt, Eisbären in den Anhang 2 aufzunehmen. Dieser Antrag wurde von den teilnehmenden Mitgliedsländern angenommen.

Anhang 1 der Bonner Konvention führt die am stärksten gefährdeten Tierarten auf und soll sie schützen, ihren Lebensraum erhalten oder wiederherstellen, Hindernisse für Wanderbewegungen ausräumen und andere Faktoren kontrollieren, die sie gefährden könnten. In Anhang 2 werden Tierarten aufgeführt, die von internationalen Schutzmaßnahmen erheblich profitieren würden.

Wir freuen uns sehr über diese gute Nachricht für die Eisbären.

Man muss hier jedoch dazu sagen, dass diese Maßnahme alleine nicht ausreichen wird.

Der Beschluss der UN-Artenschutzkonferenz bedeutet aber zumindest, dass einmal mehr auf einer internationalen Tagung mit mehr als 120 teilnehmenden Ländern die Bedrohung der Eisbären offiziell anerkannt wurde. Die Länder waren sich darüber einig, dass der Eisbär unter anderem durch den klimawandelbedingten Lebensraumverlust bedroht ist, der das Eis schwinden lässt. Weitere Bedrohungen entstehen durch die Gefahr von Unfällen bei der Erdölsuche auf dem arktischen Festland, durch die Trophäenjagd, den steigenden Schiffsverkehr in der Arktis und durch Wasserverschmutzungen. Letztere führen dazu, dass sich im Eisbär, der das oberste Tier in der Nahrungskette ist, verschiedene Chemikalien ansammeln.

Es gibt nur noch 20.000 bis 25.000 Eisbären weltweit. Sie vermehren sich sehr langsam und sind vom ewigen Eis in der Arktis abhängig, um ihre Beute fangen zu können, die aus Bart- und Ringelrobben besteht.

Trächtige Weibchen bauen eine Höhle, wo sie alle drei Jahre zwei bis drei Jungtiere zur Welt bringen. Aufzeichnungen belegen, dass die Zahl der Höhlen abnimmt. Früher gab es zum Beispiel auf Wrangel Island, dem Biospärenreservat in der Tschuktschensee, 300 Eisbärhöhlen.

Heute sind es nur noch 60. Immer mehr Eisbärweibchen müssen in den Küstenbereich des Festlands umziehen, um ihre Höhlen zu bauen. Doch das ist noch nicht alles. Die Eisbären sind gezwungen, immer weiter zu schwimmen, um überhaupt Eis zu erreichen. Manchmal Hunderte Kilometer weit. Viele Eisbärjungen ertrinken unterwegs.

Generell stimmt die Aussage, dass die globale Erwärmung die Hauptbedrohung für die Eisbären darstellt. Es gibt Prognosen, die von einem Rückgang der Eisbären um zwei Drittel bis zum Jahr 2050 ausgehen und voraussagen, dass im Jahr 2100 Eisbären nur noch in der kanadischen Arktis anzutreffen sein werden.

Aus diesem Grund ist es immens wichtig, die Bedrohungen für Eisbären zu minimieren beziehungsweise möglichst ganz zu beseitigen. Eine dieser Bedrohungen ist die Eisbärjagd für den weltweiten Handel. Sie wird unter dem Deckmantel der „Jagd für den Eigenbedarf“ verschleiert.

Eine Chance, diese Jagd zu beenden, könnte die Listung des Eisbären im Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) sein. Diesen Vorschlag brachten die USA bei der letzten CITES-Konferenz 2013 in Bangkok vor. Der Vorschlag wurde zwar von Russland unterstützt, jedoch widersetzte sich Kanada vehement. Da die EU nicht genügend Unterstützung leistete, scheiterte der Versuch.

Es gibt eine ganze Reihe internationaler Abkommen zum Schutz der Eisbären. In den fünf Staaten, in denen die Eisbären beheimatet sind (Kanada, Dänemark, Grönland, Norwegen, die USA und Russland), haben bislang lediglich die Russen und die Norweger die Eisbärjagd vollständig untersagt. In den restlichen Staaten ist eine limitierte „Jagd für den Eigenbedarf“ erlaubt. In den USA und Grönland ist der Handel mit Eisbärfellen und –körperteilen verboten, während in Kanada ein Export von Eisbärfellen erlaubt ist.

Die Preise für Eisbärfelle oder ganze ausgestopfte Bären sind durch die große Nachfrage nach diesen Luxusprodukten in China auf umgerechnet über 80.000 Euro und in Russland auf über 50.000 Euro gestiegen. Als Ergebnis wurden in Kanada noch mehr Eisbären als zuvor geschossen. Jedes Jahr werden in Russland 300 bis 400 Eisbären von Wilderern erlegt. Wenn man einen Schutz der Eisbären durch Listung im Anhang 1 des CITES-Abkommens erreichen könnte, würde das jedes Jahr Hunderten Bären das Leben retten. Das wäre ein großartiges Ergebnis für eine Tierart, von der es weltweit höchstens noch 25.000 Exemplare gibt.

Der IFAW begrüßt Norwegens Vorschlag, Eisbären im Anhang 2 der Bonner Konvention zu listen. Es ist ein Anfang. Die Listung wird dem Schutz der Eisbären helfen. Und es ist ein weiterer Schritt für die internationale Zusammenarbeit zur Rettung dieses großartigen Tiers.

Dr. Maria N. Vorontsova