„Die Leute werden zum Teil aggressiv“ Interview in der Gala

 

Mit viel Humor geht Andreas Bär Läsker das Thema vegane Ernährung in seinem Buch an. Aber nicht alle Leute bleiben dabei ruhig.

 

Andreas „Bär“ Läsker, 51, ist nicht nur Manager der Fantastischen Vier und ehemaliger Juror bei „Deutschland sucht den Superstar„, sondern jetzt auch Autor. In „No need for meat – Oder: Vegan ist, wenn man trotzdem lacht“ (Trias, 216 Seiten, 24,99 Euro) gibt er Einblicke in sein Leben und schildert seine Sicht der Dinge in Sachen Ernährung. Zusätzlich bekommt der Leser vegane Rezepte und praktische Küchen-Tipps. Im Interview mit spot on news verrät er, dass nicht alle in seinem Umfeld begeistert waren von seiner Entscheidung, vegan zu leben.

Ihr Buch „No need for meat“ ist eine Mischung aus Autobiografie, Ratgeber und Kochbuch, garniert mit viel Humor. Das kommt offenbar gut an.

Andreas „Bär“ Läsker: Ja, ich habe hervorragende Rezensionen und sehr viele Leute finden das Buch toll – das ist schon ein Erfolg für mich.

Sie wollen kein „Ernährungs-Taliban“ sein. Fühlen Sie sich als Missionar?

Läsker: Nein, überhaupt nicht. Ich finde lustig, dass die Worte „militant“ und „Missionar“ immer in Zusammenhang mit zwei Sachen verwendet werden: nicht rauchen und kein Fleisch essen. Bei Dingen, auf die es wirklich zutrifft, werden die Worte nicht benutzt: Putin oder die IS werden nicht als militant hingestellt – aber Nichtraucher und Veganer. Ich bin einfach jemand, der Sachen erkannt hat und anderen Leuten erklären möchte, dass es sich hier nicht um einen Trend handelt, sondern um ein Thema, das uns alle angeht.

Warum schenken die Menschen dem Thema Ernährung häufig so wenig Aufmerksamkeit?

Läsker: Weil es unglaublich nervt und stört, wenn man Gewohnheiten ablegen muss. Und es gibt wenige Dinge, die so schnell und einfach eine Pseudo-Befriedigung herstellen wie Essen. Auf ein gewisse Art und Weise ist das Thema zudem sehr intim. Man möchte eigentlich mit niemandem darüber reden müssen, was man isst. Wenn dann jemand kommt und sagt: „Hör mal, was du da auf dem Teller hast, ist scheiße, weil es ungesund ist, Tiere dafür getötet werden, …“ kommt das nicht gut an – die Leute werden da zum Teil sehr aggressiv.

Ist Ernährung noch Privatsache?

Läsker: Natürlich nicht. Seit dem Mittelalter verrichten wir unsere Notdurft auch nicht mehr vor der Haustür, weil wir wissen, dass davon Krankheiten kommen. Die Leute müssen sich bewusst machen, was sie tun. Das ist aber schwer, wenn man sich ständig einer Informationsflut aussetzt und dadurch gestresst ist.

Glauben Sie an eine Zukunft, in der die „Fleischfresser“ in die Minderheit geraten?

Läsker: Auf jeden Fall. Wir werden es uns nicht mehr erlauben können, so viel Fleisch zu produzieren. Das ist unsinnig und unlogisch. Mit einem Kilo Fleisch kann man sich nicht lange ernähren. Von den 15 Kilo Getreide, die man braucht, um ein Kilo Fleisch herzustellen, kann man aber Monate leben. Außer „es schmeckt so gut“ gibt es keine Pro-Fleisch-Argumente. Aber die zwei Millionen anderen Nahrungsmittel schmecken ja auch nicht schlecht. Das ist nur eine unglaublich festgefahrene Tradition und Gewohnheit, von der manche schlecht loskommen.

Sie haben nach Ihrer Ernährungsumstellung viel Gewicht verloren, schlafen besser, fühlen sich geistig fitter und haben vor allem kein schlechtes Gewissen mehr. War das die beste Entscheidung Ihres Lebens?

Läsker: Ja. Es war ein Entschluss, der relativ leicht umzusetzen war, mit dem ich aber für mich selbst und mein Umfeld wahnsinnig viel bewirken konnte.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?

Läsker: Meine Frau war erschrocken, hat sich mir dann aber kurze Zeit später angeschlossen. Mein restliches Umfeld gewöhnt sich daran. Viele haben ihren Fleischkonsum um bis zu 90 Prozent eingeschränkt oder sind mit mir zusammen vegan geworden. Es gab aber auch Freunde, die sich von mir abgewendet haben, weil ich denen zu lästig und aufdringlich erschien. Das bin ich aber nicht. Wenn zehn Leute an einem Tisch sitzen und es ist ein Veganer dabei, fühlen sich neun Leute immer unangenehm berührt, wenn sie Steak essen. Das schlechte Gewissen ist einfach da.

Sie haben sich inzwischen ja ein ganz neues veganes Geschmacksuniversum erschaffen. Haben Sie ein paar Tipps?

Läsker: Ich liebe meine Gulaschsuppe! Da merkt man, dass es nicht am Fleisch liegt, dass die nach Gulaschsuppe schmeckt, sondern an den Gewürzen. Und ich feiere meine Eintöpfe und Salate, die ich auch im Buch beschreibe.