Vegane Ernährung ist angeblich teuer. Ich habe nie begriffen, woher dieser Mythos stammt. Natürlich, wenn man sich nur von vorproduziertem Fertigfutter ernährt, egal ob vegan oder nicht, hat das tatsächlich seinen Preis, aber gutes, normales Essen ist nicht teuer. Man kann in Deutschland einen Zentner (!) Kartoffeln zwischen 12 und 30 Euro kaufen. 50 Kilo Kartoffeln! Und was kann man aus dieser wunderbaren und schmackhaften, vitaminreichen und sättigenden Knolle alles zaubern! Und dann noch nen Sack Reis, Bohnen und Kichererbsen eingekauft, und schwupp…hat man die Grundlage für hunderte von leckersten, gesunden und veganen Gerichten geschaffen. Diese Grundausstattung kostet für 3 Monate und vier Personen keine 100 Euro. Wenn man sich dann einmal die Woche auf dem Wochenmarkt für 50-70 Euro mit Gemüse und Obst eindeckt, hat man alles, was man benötigt, um eine normale Familie mit allem zu versorgen, was sie benötigt.
Natürlich geht das nicht mit Cola, Energy Drinks, komischen Fertigjoghurts und Puddings, sinnlosen aber sauteuren Süssigkeiten und tonnenweise Industrieschrott aller Art, das wird dann wieder sehr, sehr teuer.
Was ich auch nicht verstehe ist, warum ausgerechnet das Essen so unfassbar billig sein muss. Es ist für alles Geld da, für die dicksten Smartphones, die grössten Fernseher, Satellitenanlagen, Autos, Klamotten, Tablets, Urlaub am Arsch der Welt, Möbel, Taschen, Markenschuhe….aber wenn es dann ans Essen geht, wird lautstark rumgeheult, dass das ja sooooo teuer ist. Der (deutsche) Verbraucher will billigstes Essen, egal was, Hauptsache billig. Unsere europäischen Freunde aus Italien oder Griechenland lachen sich teilweise tot über uns, weil das, was wir importieren, oft der letzte Dreck ist. Die meisten Europäer sagen: Gebt das schlechte Gemüse und Obst den Deutschen, die legen entweder sowieso keinen Wert drauf oder sie wollen nichts dafür bezahlen.
Wenn man dann aber über Bio redet oder über Fairtrade, dann muss man sich anhören, das sei elitäres Gelaber, das könnten sich die meisten sich gar nicht leisten. Ja, es gibt eine Menge Leute, die sich das nicht leisten können, aber wenn mir Leute schreiben, dass sie sich gerne vegetarisch oder vegan ernähren würden, es aber „nicht geht“, weil sie mit dem wenigen Geld, das ihnen zur Verfügung steht, eben aufs billige Fleisch und die billige Wurst zurückgreifen müssen, dann rollts mir echt die Fussnägel auf. Wie gesagt….Grundnahrungsmittel sind nicht Chips, Flips, Dips und Limonaden, sondern Kartoffeln, Reis, Bohnen, Linsen, Gemüse und Obst. Und erst danach kommen die „Extras“. Früher sagte man zu manchen Sachen „Arme-Leute-Essen“. Diese Sachen sind oft mit die gesündesten Gerichte, die es gibt. Alle Studien der Welt zeigen, dass sich ein Volk zunehmend ungesünder ernährt, wenn der Wohlstand wächst.
Und zum Thema Fairtrade-Kaffee: Fairtrade-Kaffee, 20 Euro das Kilo ist viiiiiieeeel zu teuer….kann oder will man sich nicht leisten. Kleine Info: In Nespresso-Kapseln kostet der Kaffee 80 Euro das Kilo. Von dem Schwachsinn, Millionen von Aluminium-Kapseln herzustellen und wieder wegzuwerfen, ganz zu schweigen. Oder was denkt Ihr, wie diese Nespresso-Nasen riesige, dreistöckige Tempel in den besten Lagen unserer Innenstädte anmieten können?

Gute Ernährung ist nicht teuer. Perfiderweise ist eigentlich nur dumme, ungesunde und schlechte Ernährung teuer. Der einzige signifikante Invest in eine gute Ernährung ist ein bisschen Information, Zeit und guter Wille. Und wer sich keine Zeit nimmt, sich wenigstens ein bisschen mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen, wird über kurz oder lang Probleme bekommen, die ein vielfaches an Zeit und Geld kosten als sich das der eine oder andere vorstellen mag oder kann.